Der Clear Lake ist recht groß und ich fahre an seinem östlichen Ufer vorbei und dann nach Süden. Ein paar Zwischenhalte mache ich noch, um die wirklich sehr schöne Landschaft zu genießen. Ich finde faszinierend, dass Kalifornien einigen Gegenden sehr ähnlich sieht (Schottland, Alpen, Norwegen), aber natürlich wegen des Klimas ganz anders ist.
Nochmal das tolle Panorama rund um den Clear Lake.
So richtig verstehe ich nicht, wie dieser Anblick mit dem Namen des Sees in Einklang zu bringen ist. Es erklärt aber, warum ich nirgendwo Leute planschen sehe, dafür aber Segeln und Wasserski Fahren.
Man sieht es wahrscheinlich nicht, aber genau in der Bildmitte gibt es ein paar Wildtiere, ein Muttertier und vielleicht ein halbes Dutzend Junge.
Die gute alte kalifornische Eiche. Mindestens so schön, wie die deutsche. ;)
Der Weg in das erste Weintal, das Napa Valley, führt von Norden her nach Callistoga. Dort schaue ich mir ein wenig die Stadt an und hole wieder einmal mein Frühstück auf etwas deftigere Art und Weise nach.
Die Hauptstraße durch Callistoga. Zum Glück hat mich Andi über die unterschiedlichen Farben an den Bordsteinen aufgeklärt, so dass ich problemlos weiss, wo ich parken darf, und wo nicht.
Natürlich dürfen ein paar fette Harleys nicht fehlen.


Diese beiden Fotos zeigen die an sich sehr unansehnlichen Seiten von zwei Häusern, die jeweils direkt an einer Parkplatzzufahrt angrenzen. Unbemalt hätte das einen sehr schäbigen Eindruck hinterlassen, aber so schön bemalt wird das ganze zu einem eindrucksvollen Blickfang mit Flair.
Der Hydro Grill an der Hauptstraße hat eine nette Amosphäre.
Leckeres Frühstück mit Eiern, Speck, Hash-Browns, Toast, Butter, Kaffee und Apfelsaft. Hm...
Das Napa Valley ist schön. Auf der Talsohle findet man sehr fruchtbare Böden vulkanischen Ursprungs. Hier wird also direkt im Tal der Wein angebaut. Es reiht sich ein Weingut an das nächste, und überall kann man Weinproben machen, wenn man das will.
Um etwas über diese Gegend zu lernen fahre ich ins Napa Valley Museum in Yountville, untergebracht auf dem Gelände des Veterans Home of California-Yountville befindet. Dies ist eine große Siedlungsanlage, wo Veteranen der US Streitkräfte als Pensionäre wohnen können, mit allerlei Annehmlichkeiten und bester Infrastruktur. Die Amerikaner kümmern sich um ihre Veteranen, was auf unsere Bundeswehr in Zukunft auch noch zukommen wird...

Napa Valley steht unter Schutz, und das ist politisch gewollt, seit dem Ende der 1960 gibt es gesetzliche Regelungen (agricultural land preservation), die dazu führen, dass die besondere Struktur und Nutzung des Landes im Tal erhalten bleibt.Damit auch in Zukunft Wein angebaut werden kann, und die Siedlungsstrukturen nicht die sub-urbanen Züge annehmen, wie in anderen Teilen Kaliforniens. Das Museum klärt gut über die Hintergründe und Motive der Gesetzgeber ein - und ich muss sagen, ich finde das wirklich weitsichtig, für die damalige Zeit.
Ein Ausschnitt und das gesamte Tal als Relief.
Im Museum lernt man aber nicht nur über Weinbau im Tal und wie er sich entwickelt hat, sondern auch über die dunkle Seite der Siedlungsgeschichte: wie die Siedler die Ureinwohner vertrieben haben, welche Kulturen dort verloren gegangen sind, und wie auch später noch die Indianer ausgebeutet wurden.
Das alles wird aufgearbeitet und gut präsentiert. Ich bleibe ziemlich lange in diesem unteren Teil des Museums. Dabei gibt es oben auch eine interessante künstlerische Ausstellung zu sehen - die schaue ich mir aber natürlich auch an. Nur nicht ganz so lang.
Das Thema ist: Umgang mit 9/11, dem "war on terror" und wie dies im Konflikt steht mit dem amerikanischen Traum von Freiheit und Selbstverwirklichung. Wie wird Freiheit nach 9/11 eingeschränkt, um Sicherheit zu gewinnen und den Terrorismus zu bekämpfen? Steht das in Balance? Ist das überhaupt mit dem amerikanischen Geist vereinbar?
(Andi: "He who sacrifices freedom for security deserves neither", Benjamin Franklin ... the guy from the 100$ Note and former president of the United States)
Dies wird von verschiedenen Künstlern auf unterschiedlichste Weise thematisiert: Projektionen, große Installationen, Bilder.
Mich beeindrucken zwei Dinge besonders: ein Bild, das auf sehr einfache Weise den Konflikt und seine Tiefe darstellt; und ein Zitat von Dwight D. Eisenhower, dem Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in WK2 in Europa und späteren 34. US Präsident. Ein scheinbar sehr weiser Mann.


Aus dem Museum rauszugehen ist ein Schlag. Draussen ist unglaublich heiss (ich schätze um die 30 Grad, ich mache die Fahrenheit Umrechung nur Pi mal Daumen) und sonnig. Schnell flüchte ich in mein Auto und mache die Klimaanlage an.
Dann fahre ich durch Napa, mache eine Kehre Richtung Westen, und fahre dann wieder nach Norden, Richtung Sonoma.
Diese Stadt hat ebenso eine bedeutende Geschichte: es ist die nördlichste Station, an der die hier siedelnden Mönche eine Mission betrieben. Und hier nahm die Bear Flag Revolution ihren Anfang, die für die Unabhängigkeit Kaliforniens von Mexiko stritt (ironischerweise kurz bevor es dann von den USA annektiert wurde).
Das Zentrum der Stadt ist das alte Rathaus, mit einem netten Park drumherum. Daran schließen sich einige sehr schöne alte Gemäuer an.


Die Siedlungsgeschichte interessiert mich, daher sehe ich mir die Mission der Mönche genauer an. Der Gebäudekomplex ist gut restauriert und das Museum erklärt die lange Kette der Missionen, die zum einen natürlich der Verbreitung des wahren Glaubens unter den heidnischen Indianern diente, zum anderen aber auch spanischen Einfluss sichern sollte. So waren letztlich gewisse Konflikte mit den englischen (und russischen) Siedlern vorprogrammiert, was dazu führte, dass militärische Präsenz aufgebaut wurde.




Von den historischen Wirtschaftsgebäuden steht leider nicht mehr sehr viel. Der Kaktus im Innenhof allerdings erregt meine Aufmerksamkeit. Er lieferte Brennmaterial, einen natürlichen Schutz, und man kann Teile auch essen.
Der Eintritt zum Museum gilt am gleichen Tag auch noch für einige andere Sehenswürdigkeiten. Mich interessiert die Villa von General Mariano Vallejo, dem Gründer von Sonoma, denn sie soll sehr imposant sein.
Bis dahin ist es nicht weit, und natürlich kann man mit dem klimatisierten Auto bis vor die Tür fahren. ;)
Das Haupthaus. Der Stil ist übrigens der der Ostküste! Der General hatte genug Geld, sich ein Haus bauen, in Teilen ums Kap Hoor herum liefern und dann hier zusammensetzen zu lassen!
Sehr schön die fein ausgestalteten Holzarbeiten.
Das Esszimmer. Der Herr General ist gerade nicht da, kommt aber gleich wieder. Wahrscheinlich im Garten.
Das Wohnzimmer. Im Kamin brennt ein künstliches Feuer und verbreitet immerhin ein wenig Atmosphäre.
Eines der vielen Schlafzimmer im Haus.
Die Nebengebäude sind genauso herausgeputzt. In einem ist ein kleines Museum eingerichtet und ein Guide beantwortet gerne Fragen. Das andere dient als Technikgebäude und Toilette.
Es hatte seinen Grund, warum der General sein Haus genau an diesem Ort bauen ließ: hier gibt es eine Süßwasserquelle. Was der Herr General dann auch irgendwann nutzte, um Geld zu verdienen. Er verkaufte das Wasser einfach an die Stadt.
Ein Reservoir diente damals wie heute als Ort der Entspannung: mit Karpfen und Wasserschildkröten.


Ein Auflug nach hier lohnt sich auf jeden Fall, denn es gibt noch einiges mehr zu sehen.
Ich fahre dann wieder weiter nach Süden. Jetzt ist der Trip irgendwie doch flotter gegangen, als gedacht. Daher mache ich noch einen Abstecher zur Muir Beach, die ich ja nur vom Aussichtspunkt am Anfang meiner Reise gesehen habe.
Das Wetter in der Bay ist mal wieder kühl und wolkig. Eben, in Sonoma, war es noch sonnig und richtig heiss, ohne Klima im Auto ging nichts. Jetzt ist es eher frisch und man muss Angst haben, dass man nicht friert, wenn man zu lange am Strand herumläuft.
Muir Beach ist auf jeden Fall schön. Hier grillen wohl öfter Leute auf offenem Feuer, den Spuren nach zu beurteilen. Kann man aber nicht verdenken, sehr romantisch hier.Der Wagen will getankt werden - er ist quasi bis auf den letzten Tropfen leer. Ich bin einige hundert Kilometer gefahren und habe 3 Tankfüllungen verbraten. Jetzt fehlen nur noch wenige Kilometer über die Brücke nach Richmond und dann nach Albany.
Somit habe ich die Bay-Area-Brücken-Runde komplett gemacht.
Abends würde ich gerne mit Babs, Andi, Kim und Kira was essen gehen, aber die sind schon bedient. Daher gehe ich auf sie Solano Avenue in das Katmandu, welches "Flugzeug-Kim" mir empfohlen hat. Sehr leckeres Essen!
"Zuhause" gibts dann noch ein leckeres Bier. Und mit dem morgigen Donnerstag steht mein letzter richtiger Tag schon vor der Tür, denn Freitag geht es ja bereits zurück.


















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