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Oder wo sich unsere Familie sonst noch rumtreibt !

Mittwoch, 18. Januar 2012

California dreaming

Montag, der 19. September

Nachdem ich nun eine Woche bei Andi und Babs wie eine Made gelebt habe (ernährt, behaust, durch die Gegend kutschiert, gehegt und gepflegt), will ich natürlich Kalifornien auch ein wenig auf eigene Faust erkunden. Zum einen habe ich ein schlechtes Gewissen, weil Andi sich die ganze Zeit um mich kümmern muss, und auch Babs sich alle Mühe gibt. Zum anderen bin ich es ja gewohnt, allein Urlaub zu machen und möchte daher auch eigene Wege und Ansichten finden.

So gehe ich also am Vormittag zu direkt um die Ecke gelegenen Hertz Station und besorge mir einen Leihwagen. Dann packe ich ein paar Sachen ein und mache mich auf den Weg. Ich habe weder ein wirkliches Ziel, noch irgendetwas geplant: so mache ich das eigentlich am liebsten.
Meine Sitznachbarin aus dem Flugzeug hatte mir ja ein paar Tips gewesen, und somit mache ich mich auf den Weg nach Norden, um mir ein paar davon anzusehen.

Aber natürlich mache ich einen kleinen Umweg - denn ich will auch mal durch die Straßen von San Francisco und über die Golden Gate Brücke fahren.


Mein Weg führt mich zunächst auf bekannten Wegen vorbei an den Muir Woods und an Muir Beach zu einem Aussichtspunkt. Von hier aus kann man runter auf Muir Beach schauen - vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Heute aber hängt eine durchgehende Wolkendecke sehr tief direkt vor der Küste, so dass man an einigen Stellen den Eindruck hat, man würde mittendrin stehen.

Dort vorn befindet sich ein Aussichtspunkt direkt auf der Klippe. Unter den Wolken ist der Ozean, von dem man aber absolut nichts sieht.

Der kleine Strand links im Bild ist der hübsche Muir Beach.


Eine Infotafel zeigt die nähere Umgebung. Meine Route liegt quasi vor mir: ich möchte nämlich unbedingt zum Point Reyes Lighthouse, das sehr schön gelegen sein soll. Und von dort möchte ich weiter dem Coastal Highway 1 folgen, eigentlich bis zu dessen bitteren Ende.
Interessant finde ich, dass mein Weg mich direkt auf den Sankt Andreas Graben bringt - etwas, was man gar nicht so realisiert, dass es hier eigentlich sehr gefährlich werden kann...


Mein erster richtiger Zwischenstopp ist das kalifornische Inverness, wo ich kurz etwas esse und mir was zu knabber und zu trinken für die Fahrt kaufe. Somit war ich schon in zwei Orten mit diesem Namen. Leider hat das tschechiche Restaurant vor Ort zu. Hätte gerne ausprobiert, was die in Kalifornien darunter verstehen.

Der Weg zum Point Reyes Lighthouse ist spektakulär: die Halbinsel ist wunderbar anzusehen, ausser ein paar Farmen mit vielen Rindern gibt es hier nichts. Ausserdem ist nicht viel los, so dass man sportliche 40 Meilen fahren kann (also knapp 65 km/h, was angesichts der Straßenführung durchaus schnell ist).

Auf dem Weg zum Leuchtturm ergibt sich diese tolle Aussicht auf den Strand. Glücklicherweise gibt es hier jetzt keine Wolken.

Der Leuchtturm ist unterhalb des höchsten Punktes angebracht, damit die Sicht durch die häufigen Wolken nicht behindert wird.

Irgendwo da muss San Francisco sein...

Nach dem Besuch des Leuchtturm fahre ich an den nahen Strand der Point Reyes National Seashore. Baden würde ich hier nicht: Schilder weisen den Strand als sehr gefährlich aus, wegen Haien, starken Unterströmungen und starkem Wellengang. Weiter nördlich habe ich aber Leute mit Surfbrettern auf dem Auto fahren sehen, offensichtlich halten die Warnungen die Hardcore Surfer nicht ab.
Der Strand ist nahezu menschenleer, es ist sonnig und warm. Ich spaziere ein wenig herum und arbeite ein wenig an meiner Bräune. ;)

Anschließend geht es weiter nach Norden, aber erst dauert es seine Zeit, bis man wieder auf Coastal Highway 1 ankommt.


Der Highway hat es in sich: zwar gilt hier 40, aber die zu fahren ist schon anstrengend. Die Strecke ist sehr kurvig, geht manchmal knapp an der Steilküste entlang und bietet darüber hinaus an jeder Kurve tolle Aussichten.
Eigentlich möchte man ständig anhalten und Fotos knippsen oder die Landschaft genießen. Aber man käme ja niemals voran. So belasse ich es bei einigen Stopps, aber es sind schon einige. In der Eifel gefahren zu sein zahlt sich hier aus.

Hier wäre mit dem Motorrad lang zu fahren ein absoluter Traum!

Es wird langsam aber sicher dunkel und es wird Zeit, dass ich etwas fürs Übernachten finde. Dank fehlender Planung muss ich auf spontan auffindbare Lodges hoffen, doch diejenigen, an denen ich vorbeifahre, habe alle ein "no vacancy" Schild aufgestellt oder in elektrischem Betrieb, sind also voll.
Schließlich finde ich dann das Alexander's Timber Cove Inn, die etwas frei hat. Die ist dafür aber auch recht hochpreisig (was wahrscheinlich der Grund ist).

Immerhin: das Essen ist gut, und ich habe ein Zimmer mit Ozeanblick. So kann ich nach dem Duschen die Sonne über dem Pazifik untergehen sehen, und später mit dem Rauschen der an die Steilküste anbrandenden Wellen im Ohr einschlafen. Toll!

Die Aussicht von meinem Balkon die Steilküste entlang nach Norden.

Die Sonne geht im Pazifik unter. Zum ersten Mal für mich.

Laut Karte bin ich nicht großartig weit gekommen, aber man kommt tatsächlich nur sehr langsam voran (kein Wunder, bei der Geschwindigkeit!). Ausserdem will man ja was sehen, und das ständige Anhalten und Umgucken kostet Zeit.
Groß fasse ich den Plan, noch weiter nach Norden zu fahren, zu sehen, wie lange ich bis wohin brauche, und dann zur Not zuletzt über die Highways schnell wieder zurück. Denn am Donnerstag will ich spätestens wieder zurück sein, da mein Flieger am Freitag Nachmittag ja wieder nach Deutschland geht.

Dienstag, der 20. September

Nach dem Aufstehen geht es direkt weiter nach Norden. Da einige Ortschaften auf dem Weg liegen, die ich mir anschauen will, entscheide ich mich dafür, dort ein verspähtetes Frühstück nachzuholen. Bis Mendocino ist es nicht mehr weit und ich werde für das Warten dort gut entschädigt.
Mendocino ist weltweit bekannt: hier haben sich während der Flower-Power-Zeit viele Künstler und Alternative niedergelassen, die auch heute noch das Stadtbild mit ihren Läden prägen. Passenderweise tanzen ein paar junge bekiffte Hippies neben ihrem Wohnmobil auf der Straße herum, als ich gerade in den Ort hineinfahre. ;)

Der Big River, der bei Mendocino in den Pazifik mündet. Ein beliebtes Ausflugsziel. Hierüber wurde früher Holz, das weiter inländisch geschlagen wurde, transportiert, um dann nach San Francisco gebracht zu werden (welches während des Goldrausches ja eine explosionsartige Zunahme seiner Einwohner sah).

Eines der vielen sehr gut erhaltenen alten Gebäude in Mendocino.

Eine bekannte Ansicht?

Mendocino ist auch aus anderen Gründen ein Begriff: es ist die Kulisse zu "Mord ist ihr Hobby - Immer wenn sie Krimis schrieb" mit Angela Lansbury. Und es gibt einen Schlager von Michael Holm.
Überhaupt ist die Küstenregion bekannt aus Film und Fernsehen. Gar nicht weit von hier wurde auch Alfred Hitchcocks "Die Vögel" gedreht. Leider erfahre ich das erst spät aus einer Infobroschüre über diese Region aber fahre deswegen dort nicht noch einmal zurück.

Die Stadt liegt malerisch oberhalb der Mündung des Big River an der Küste.

Dort links oberhalb der Brandung wurde gerade ein Video von einer jungen Dame gedreht, die wohl eine lokale Popmusikerin ist.

Ich besuche das Visitors' Center, welches gleichzeitig ein kleines Museum über die lokale Holzindustrie und zur Geschichte Mendocinos ist. Direkt gegenüber ist ein nettes Lokal, in dem ich dann mein Frühstück nachhole, in Form eines Burgers mit Pommes und Bio-Apfelsaft. Dem "organic" kann man in Kalifornien nur schwer entkommen, das ist hier weit verbreitet und entspricht dem hipp-alternativen Lebensstil, den man hier pflegt.

Während des Essens informiere ich mich über die Städte, die auf der Route nach Norden folgen. Fort Bragg ist eine der nächsten und soll einiges zu bieten haben. Es handelt sich um eine ehemalige russische Siedlung (die Russen haben den amerikanischen Kontinent quasi vom Nordwesten aus besiedelt, mit russisch-orthodoxen Geistlichen), und wurde dann aber schnell von den kalifornischen Siedlern für sich vereinnahmt.

Eine Attraktion ist der Skunk-Train, der in ein großes Waldgebiet mit Redwoods fährt, das nur so zu erreichen ist. Allerdings hat er einen sehr strengen und engen Fahrplan, und ich kann mit ihm leider nicht fahren. Die Rundfahrt würde aber auch 4 bis 6 Stunden dauern.

Da können wir mit unserem deutschen Reinheitsgebot von 1516 nur drüber lachen. Aber sie geben sich Mühe!

Weiter nach Norden der Küste entlang ist immer noch spektakulär. Der Coastal Highway 1 biegt dann aber schließlich ins Inland ab, und man muss ein ganzes Stück durch die Berge fahre. Was mich, abgesehen von den Temperaturen, sehr an die Eifel erinnert.
Positiv ist, dass es hier alle paar hundert Meter Ausbuchtungen der Straße gibt, wo langsamere Verkehrsteilnehmer den schnelleren hinter ihnen Platz machen können. So hält mich dann ein vor mir fahrendes Fahrzeug mich nicht lange auf - er hat mich aber lange genug in meinem Fahrstil behindert. ;)

Die Amerikaner kennen teilweise aber auch nichts: es kommen mir mehrere Wohnmobile entgegen, mit angehängten Autos. Die Gespanne sind so lang und riesig, dass sie Probleme haben, auf den engen kurvigen Straßen zu fahren. Trotzdem machen sie es. Helden der Landstraße...


Dort, wo der Coastal Highway 1 endet, befindet sich Leggett, mit dem weltberühmten Drive-Thru-Tree (von dem ich sicher mal gehört habe, aber den ich nicht bewusst im Kopf hatte). Als ich das Schild sehe, muss ich natürlich unbedingt dahin.

Er sieht hier ein bisschen klein aus, aber es passt ein normaler amerikanischer Pickup durch. Ich fahre aber nicht mit dem Auto hindurch, das erscheint mir unangebracht.

Man weiss nicht genau, wie alt der Baum ist. Wahrscheinlich stand er bereits, als Jesus ans Kreuz genagelt wurde.

Das Gedicht finde ich sehr gut!

Und hier endet der Highway 1 und mündet in der US Route 101.

Gerne würde ich weiter nach Norden fahren, weil es dort viel bergiger und waldiger wird und es noch einige tolle Nationalparks gibt. Aber hochgerechnet auf die Zeit, die ich bis hier gebraucht habe, entscheide ich, wieder nach Süden zu fahren und mir stattdessen die Weinanbaugebiete Napa und Sonoma anzuschauen.
Der Weg führt mich aber zunächst an den Clear Lake. An dessen Ufer gibt es den Ort Lucerne, der nach der Stadt in der Schweiz benannt ist, weil das Panorama rund um den See dem Original wirklich sehr ähnelt.

Besonder klar ist das Wasser allerdings nicht, wie ich später sehen werde. Ich quartiere mich in einem Motel ein (diesmal sehr günstig), gehe in einem chinesischen Restaurant um die Ecke essen und kaufe in einem Store ein Sixpack Coors (weil es gibt ja Baseball im Fernsehen).

Als der Mann an der Kasse das Bier in eine braune Papiertüte packen will meine ich, dass das okay sei, ich bräuchte keine Tüte.
Daraufhin erwidert er, dass es in diesem County Pflicht sei. Schnell entfaltet sich ein Gespräch zwischen uns und einem weiteren Kunden, über Sinn und Unsinn solcher Gesetze, und darüber wie viele Bäume wohl abgeholzt werden wegen dieser Regel.

Ziemlich erschöpft vom langen Fahren falle ich ins Bett, trinke ein paar Coors, schaue Baseball und schlafe dann total müde ein.

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