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Oder wo sich unsere Familie sonst noch rumtreibt !

Freitag, 20. Mai 2011

Doktorvater - III

Freitag, 13. Mai

Kira hat ihren dritten Schultermin in dieser Woche. Zwei Maschinen voll Wäsche sind abzuarbeiten, dann geht es in die Stadt - nach Berkeley. Wir fahren endlich direkt zum Brazil Café.
Hier essen wir preiswert dicke Sandwiches und trinken einen schmackhaften Mangodrink. Zwischendurch sehen wir immer wieder gut gekleidete Graduates mit ihren gerade angereisten Eltern, die ihre Trolleys hinter sich her ziehen. Wir kaufen ein wenig ein; die Hawaiihemden gibt es nicht in meiner Größe, so dass Andor mit drei Stück gegen null ungeschlagener Sieger bei den Herren bleibt.








Kira ist heute nicht nur lieb sondern teuer: Wir verpassen den Abholtermin um 10 Minuten; jede Minute über 5 Minuten (Grace period) kostet 1 $. Der Ostfriese sagt dazu: „Watt mutt, dat mutt.“




Abends sind wir dann zu Gast auf der Party der Dornfelds zur Graduation von vier Studenten. Alles vom Feinsten: Ein Haus, wie man es nur aus Filmen kennt, große, hohe Räume, dezent und geschmackvoll eingerichtet. Bier, Wein, Essen, all kinds of everything. Unsere Gastgeschenke finden Anklang: Aus Ostfriesland Tee und rückwärts laufende Uhr, aus Aachen die Öcher Printen. Ich führe interessante Gespräche mit einem japanischen Professor namens Yamasaki von der UC Davis, dem stolzen chinesischen Elternpaar eines Graduierten, mit der Italienerin Laura usw. usw.
Es sind in toto um die 40 Personen – „unsere“ Kinder sind bezaubernd unkompliziert.
Gegen 22:00 Uhr sind wir wieder daheim – wir waren nicht die ersten, die die Feier verlassen haben.


Samstag, 14. Mai

Nach dem Frühstück spülen heute einmal die Kinder. Kurz nach 11:00 Uhr geht es los zum Eurovision Song Contest (ESC) ins International House. Zuvor schauen wir aber noch bei der Library vorbei, wo heute Bücher aus dem Bestand verkauft werden. Barbara kauft einiges für die große Fahrt; ich investiere einen Dollar für Simon and Garfunkel´s greatest hits.




Ab 12:30 Uhr sind wir dann beim ESC mit etwa 50 anderen Zuschauern. Gäbe es einen Wettbewerb für den ältesten Zuschauer, wäre ich mit Abstand Sieger.

Nachdem alle 25 Beiträge vorbei sind, gehen wir über den Campus, wo teils noch Graduation-Veranstaltungen laufen. Nach dem Kauf von Takeaway-Ware bei Maoz Vegetarian geht es dann zurück ins Village. Hier erfahren wir das Ergebnis des Song Contests übers Internet.




Abends kaufen wir mit voller Besatzung im Target ein; um 21:30 Uhr sind wir zurück. Mich fasziniert erneut die Rolltreppe für den Einkaufswagen; im Bed, bath & beyond durfte ich nicht fotografieren, heute wäre es möglich gewesen – ohne Kamera geht das jedoch auch nicht. An der Kasse zeigt mir Barbara ein Dreierpack der wertvollen „Tempos“ für 99 Cent Netto – da kommen noch 9,75 % Steuern drauf!


Sonntag, 15. Mai 2011

Heute soll es schlechtes Wetter geben – es kann stark regnen, sogar Hagel ist möglich. Bis 11:30 Uhr haben wir davon aber noch nichts bemerkt. Es ist sonnig, der Wind ist kalt. Andor war sogar schon kurz mit Kira beim Fußball.

 
Gegen 12:00 Uhr fahren wir los: Heute geht´s zur Golden Gate Bridge, die wir uns aus vielen Blickwinkeln anschauen und fotografieren. Ein besonderes Bild ist dienstlich: Es ist für die Aachener Schleifer mit einer Schleifscheibe auf der Golden Gate Bridge; wir besuchen die Marin Headlands, wo allerhand Relikte der alten Küstenverteidigung zu sehen sind; großartig aber immer wieder der Blick übers Meer und zur Golden Gate.
 












Danach geht es zum Einkauf in San Francisco bei H & M, wo ich schon etwas für Kims Geburtstag kaufe, den sie ja auf der großen Tour feiern wird. Kira bekommt auch etwas – natürlich in Pink. Ich bezahle das Parken – es ist hier in der City noch einen Deut höher als an den Piers.

Zum Schluss wird der Lincoln für 4,339 $ pro Gallone (91 Oktan) bei Costco betankt; daheim sind wir um 17:15 Uhr. Barbara nimmt sich hier einer kleinen Israelitin an, die sich ausgeschlossen hat und deren Mutter auf dem Spielplatz ist.


Montag, 16. Mai 

Seitdem Barbara aufgestanden ist, sitzt sie am Computer und arbeitet. Das kenne ich mittlerweile und beneide sie nicht. Heute beginnt die jährliche Überprüfung der Alarmsirenen und Rauchmelder im Village. Wir werden zum Glück früh von den Specialists aufgesucht, hören aber noch mehrmals die Alarme.

Gegen 10:30 Uhr fahren wir zum PRAM in Point Richmond. Dort sind Cole und Vater Tim, Evan mit Mutter Kendra und Opa Terry aus Oregon, so dass heute zwei Jungen und zwei Mädchen dort ihre Zeit verbringen. Im großen Spielraum fällt mir das Poster von „Rosie the Riveter“ auf, das an die Leistungen der Frauen an der Heimatfront beim Schiffbau während des II. Weltkriegs erinnert. Hierzu gibt es in Richmond ein eigenes Museum. Als ich das Plüschkrokodil sehe, denke ich an den Urlaub mit der elfjährigen Barbara in Florida, wo sie ein Bein auf ein lebensgroßes Krokodilmodell stellt – zum darauf Sitzen war es zu heiß. Kira will sich von mir leider nicht so fotografieren lassen.













Zum Ende gehen wir mit den Kindern durch den Tunnel zum Ferry Point an den Strand, von dem aus man die Golden Gate Bridge, die Richmond-San Rafael Bridge und San Francisco mit dem Sutro Tower sehen kann. Ich habe natürlich mein Teleobjektiv nicht dabei. Auf dem Rückweg fotografiere ich das „Natatorium“, ein Schwimmbad, das statt Chlor Salzwasser verwendet. Dies auch "Richmond Plunge" genannte Schwimmbad datiert zurück auf 1926, wurde irgendwann geschlossen und komplett renoviert insbesondere in Hinblick auf Erdbebensicherheit Mitte August 2010 wieder eröffnet. Die Vier haben es schon besucht und fanden es für ihre Mädels nicht besonders ideal (siehe Blog Spring break).



Der Regen beginnt, als wir zurück sind im Village. Ich fahre Barbara abends gegen 21:00 Uhr zur Pharmacy am El Cerrito Plaza. Hier holt sie ein Medikament ab und kauft Kleinigkeiten für die Reiseapotheke. Ich rate überdies zum Erwerb zweier Fliegenklatschen – die kauft Barbara; denn seit zwei Tagen gibt es bereits eine im Apartment. Ich sehe allerhand, was bei uns verschreibungspflichtig ist, hier aber „einfach so“ gekauft werden kann.
Auf der anderen Seite musste Barbara per Unterschrift bekunden, dass sie auf eine individuelle, auf ihr Medikament bezogene Beratung (consultation) verzichtet hatte.
Sie hätte auch bestätigen müssen, dass sie eine solche erhalten und verstanden hätte.


Dienstag, 17. Mai 

Es regnet den ganzen Morgen. Deshalb nimmt Barbara heute den Bus zur Arbeit. Andor räumt das Wohnzimmer auf und saugt Staub. Bevor wir Kira zur Schule bringen können, müssen wir nach dem Schlüsselbund suchen, das eine der kleinen Damen wohl beim Aufräumen im Wohnzimmer in einen Karton gelegt hat. Da ein guter Haushalt nichts verliert, verlieren wir nur 10 Minuten. Wir geben nicht nur Kira, sondern auch 4 Bücher ab, diese aber nicht in der Schule, sondern in Barbaras Auftrag in der Library.

Wir holen Barbara heute an der Etcheverry Hall ab; das „Büro“ ist schon ein kleines Kabuff. Es gibt aber augenscheinlich z.Zt. keine bessere Unterbringung. Barbara kauft noch Abendessen für uns beim Mexikaner.
Ich sehe mir zuhause einmal in Ruhe die Unterlagen mit den Hausnutzungsvorschriften im Village und denen zur Erdbebenvorsorge an. Auch das alles will bedacht sein, wenn so viele verschiedene Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen zusammenleben und dazu noch latent Erdbeben drohen bzw. unmerklich stattfinden.



Mittwoch, 18. Mai

Gegen 09:00 Uhr verlässt uns Barbara zum Dienst. Sie nutzt wieder den Bus. Wir werden sie mit dem Auto abholen: Sie wird große Poster abholen, die sie für Präsentationszwecke auf der Tour benötigt. Die sind ganz schön teuer, die Kosten werden aber zum Glück vom ME Stuhl übernommen.
Kira muss zur Schule; Wäsche ist wieder dran und gem. Weisung von Frau Doktor ist die Kofferraumkapazität für die große Tour zu überprüfen und ggf. zu optimieren. Gut, dass die Koffer noch leer sind.

Ich muss derweil eine noch lebende Spinne aus der Leuchte im Badezimmer entfernen. Dann werden Kira, Barbara und die Poster abgeholt.









Abends geht es gegen 21:00 Uhr auf Treasure Island, von wo Barbara und ich Nachtaufnahmen von San Francisco schießen. Die Insel wurde 1936/37 künstlich – teils mit Schutt vom 1906er Erdbebens – aufgeschüttet für die Weltausstellung 1939/40. Um 22:30 Uhr sind wir zurück; Barbara schießt vom Village aus noch den Mond ab.



Donnerstag, 19. Mai

Der letzte Tag vor meinem Rückflug - der vorletzte vor dem Beginn der großen Tour !
Barbara fährt mit dem Lincoln zur Arbeit, weil sie u.a. noch einen Business Dress aus der Reinigung holen muss. Nachdem sie früher von der Arbeit kommt, geht es nach Concord; hier befindet sich ein riesiges Munitionslager der Marine - Concord Naval Weapons Station (CNWS), das vor der endgültigen Schließung und Abgabe an die Stadt steht. Es ist vielleicht einigen bekannt als Ort von Folgen der „MythBusters“-Serie. Wir machen uns jetzt selbst vor Ort ein Bild. Es gibt hier über 130 Bunker. Alles ist aber noch Sperrbereich, weil Teile noch genutzt werden. Dafür erkunden wir den Ort, der eine großzügige und schön gestaltete Parkanlage besitzt.


Hier können sich die Kinder ausgiebig austoben.
Nach Rückkehr und Ausruhen gehen wir abends ein letztes Mal gemeinsam mit den Kindern spazieren. Später fahre ich mit Barbara zum Einkauf im Target. „Dienstschluss“ ist dann um 23.30 Uhr.







Freitag, 20. Mai

Ich plane gegen 11:00 Uhr abzufahren. Der Verkehr kann manchmal sehr stark sein. Die Prognosen liegen je nach Verkehr bei 35 bis 50 Minuten für die Fahrt zum Airport. Ich will das Auto spätestens bis 12:00 Uhr abgeben, um 3 Stunden Puffer bis zum Abflugtermin zu haben, der für 15:05 Uhr vorgesehen ist. Diesmal geht es nach Düsseldorf, wo die Vier vor mehr als 6 Monaten abgeflogen sind.



… zu guter Letzt

Liebe Barbara, lieber Andor,
ich hatte eingangs erwähnt, viele Schlaumeier seien mit ihren Vorurteilen besser dran, sie müssten nicht lange überlegen und wüssten sowieso alles besser. Das ist und bleibt so und ist auch dann nicht zu ändern, wenn man empfehlen würde: Wie soll ich wissen, was ich denke, bevor ich lese, was ich geschrieben habe. Ärgerlich bleibt es allemal.

Jedenfalls geht es in Eurem Blog um das Leben von Euch Vieren in den USA und nicht um Befindlichkeiten von Personen, die nicht in die USA wollen.

Genießt die große Fahrt, auf der Ihr einmal mehr die landschaftliche, aber insbesondere die menschliche Vielfalt und Gastfreundschaft Amerikas erleben könnt – eine einzigartige Chance, zwei dienstliche Termine so zu verbinden, dass Ihr das Abenteuer als Familie gemeinsam mit den Kindern angehen könnt. Das soll Euch erst einmal jemand nachmachen. Ich habe den Mut dazu nicht mehr und weiß auch nicht, ob ich ihn in Eurem Alter gehabt hätte.
Meinen Kurzbesuch bei Euch in Albany, California, habe ich genossen. Ich wünsche eine gute Fahrt durch 17 Staaten dieses Riesenlandes, gute Ergebnisse und Kontakte für Barbaras Studien und allen Vieren eine gesunde Rückkehr in die Ohlone Avenue. Dabei hilft Euch der 8-Zylinder weit besser als es ein 3 Zylinder-Zweitakter mit seinem stinkenden 1:25 Gemisch ohne Klimaanlage je könnte.

Lebt weiter Euren amerikanischen Traum. Ich schließe Ute mit ein:

Wir freuen uns für Euch von ganzem Herzen.

Ob Bully Buhlan wirklich noch einen Koffer in Berlin hatte, weiß ich nicht. Ich jedenfalls habe eine elektrische Zahnbürste in Albany.

P.S. Im Auftrag von Barbara an die geneigte Leserschaft:

Bitte schickt keine Geschenke während der Abwesenheit unserer Vier bis zum 18. Juni – June 18!

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