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Oder wo sich unsere Familie sonst noch rumtreibt !

Samstag, 13. November 2010

Veterans Day

Die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag war wie angedeutet ziemlich unruhig – Kira hatte nach und nach fast alle Decken und Bezüge verbraucht, so dass Andor und ich ohne Decke bzw. mit Mantel schlafen mussten. Am nächsten Morgen ging es Kira zum Glück wieder besser – die Autofahrt mit abendlicher Toberei und viel Kakao haben ihrem Magen wohl zu schaffen gemacht.
Um 8 Uhr wollte sich Andor zum Village Office begeben, um die leere Waschmaschinenkarte aufzufüllen, als uns mit Schrecken auffiel, dass ja heute Veterans Day ist, ein nationaler Feiertag. Aber ein Stöbern in unserem 100seitigen Informationskompendium mit Do‘s und Don’ts für Village Bewohner half uns, weitere Aufladestationen im Dorf aufzufinden. So konnte Andor dann 5 Waschladungen mit Plumeaus, Bezügen, Handtüchern und Teppichen ansetzen – dank unseres Laundry Häuschens im Backyard alles gleichzeitig.
Dank des Veterans Day konnte ich auch meine Suche nach einem Friseur einstellen, obwohl die Hairstylisten hier sehr flexibel sind und auch am Sonntag Termine annehmen. Alle Friseursalons mit guten Bewertungen haben aber auch meiner Meinung nach recht hohe Preisangaben für ihre Services online gestellt – Haarschnitt ab 65 $, Strähnchen für einen halben Kopf (?) ab 100 $ etc., zum Teil auch in Abstufungen, je nachdem ob ein Lehrling der 1. oder 2. Stufe oder der Maestro selber die Verschönerung vornimmt und sicher ohne Tax und Tips. Ich werde die Recherche ab Montag mit Erfahrungsberichten der Arbeitskolleginnen weiterführen.
Den Veteranen-Tag haben wir zuhause verbracht. Mein temporärer Internet-Account, bis ich ab dem 15.11. „richtig“ an der UC Berkeley eingeschrieben bin, konnte ja Mittwoch Nachmittag freigeschaltet werden, so dass wir endlich zuhause online gehen können. Dass nur ein bestimmter Laptop an einer bestimmten Buchse im Flur angeschlossen werden kann und wir daher nur auf dem Boden sitzend oder liegend surfen können, ist gar nicht so schlimm. „Living without web is like living without water“ - So hatte ein Mitarbeiter des Village Computer Centers meine Nöte prosaisch umschrieben.
Mit dem Internetzugang konnten wir endlich die Bedeutung des heutigen Feiertags recherchieren: Der Veterans Day ehrt die Soldaten des Ersten Weltkrieges und wird in England, Frankreich und den USA begangen. Wikipedia diskutiert zudem die verschiedenen Schreibweisen: Veteran's Day und Veterans' Day - „While these spellings are grammatically acceptable, the United States government has declared that the attributive (no apostrophe) rather than the possessive case is the official spelling.”
Abends tobt Kira noch ein bisschen im Hinterhof, wo wir einen deutsch-russischen Postdoc der Physik treffen, der ein paar Tage nach uns mit seiner Familie angekommen ist und viele Fragen nach Driver’s license, Autokauf, Freizeitbeschäftigung, etc. stellt, die wir zum Glück schon beantwortet haben. Kira und den Spielgefährten Timo müssen wir noch dazu bringen, die ausgebuddelte Erde in den bepflanzten Streifen ums Haus herum zurückzuschaufeln. Gärtnern ist hier allgemein nicht im Village erlaubt (Im Bewohner-Guide stehen Horrorstories von giftigen eingeschleppten Pflanzen zur Begründung.). Dennoch kann man für 20 $ im Jahr im Community Garden sein eigenes Organic-Gemüse anbauen.
Der Abend endet mit Top Gun – leider wieder zerhackstückelt durch tausende Werbeunterbrechungen. Die Fliegerschule Top Gun befindet sich in Miramar – schon auf der Highway-No. 1 Tour am Mittwoch hatten wir diskutiert, ob damit das Miramar am nördlichen Ende der Half Moon Bay gemeint ist. Eine Radarkugel haben wir dort ja gesehen. Leider dämpfte eine weitere Internetrecherche meine Begeisterung, da es noch ein viel größeres Miramar beim südlicheren San Diego gibt.


Tacos, Tacos, Burritos (Zitat J.Lo. in South Park)

Der Freitag Morgen begann mit weiteren Adressänderungsmails und weiteren Online-Frankierungen für die Pakete in Barmen. Ich musste diese Woche noch recherchieren, wie die Zollerklärung aussehen muss. DHL bietet bei der Online-Frankierung nur den Hinweis, alles möglichst genau zu machen, und fragt nach Inhalt, Anzahl, Gewicht in 100 g, Wert, etc. Nach Telefonaten mit dem örtlichen Zoll, wobei ich von San Francisco nach Oakland und wieder zurück geleitet wurde und sich die Prepaid-Karte schon wieder leerte, scheint es so, dass die Zollbeamten auch mit relativ groben Beschreibungen (Box 1 = Toys, box 2 = kitchen utensils, etc.) zufrieden ist. Sicher ist eine gewerbliche Einfuhr von Gütern auch noch deutlich kritischer. Wera und Walter haben auf jeden Fall alles abgeschickt. Danke! Wir sind alle mal gespannt, wann was ankommt.
Ich vermisse langsam doch ein paar Dinge aus dem Küchenpaket. Teestövchen, um die Teekanne warmzuhalten, konnte ich bisher beim besten Willen nicht finden. Die Verkäufer sehen einen dann auch so verständnislos an – das bisher Nächste, das mir vorgeschlagen wurde, war ein elektrischer Heizstab für die Teetasse. Und in gute Küchenmesser haben wir auch noch nicht investiert, da wir ja auf unsere Zwilling-Messer warten. Auch Kira steht in den Kaufhäusern immer wieder vor der Lego-Ecke. Wenn ihr altes Duplo ankommt, wird sie sich sicher freuen, als ob es neu wäre.
Außerdem wollten wir unseren Nuk-Flaschen-Bestand auffrischen, aber die Marke ist hier nicht marktführend. So gibt es nicht alle Varianten, die Kira und Kim gewöhnt sind. Kim weist den neu gekauften, dunkelblau eingefärbten Trinknuckel vehement ab. Selbst Amazon-USA ist nicht so gut sortiert.
Ein anderes längeres Gespräch führte ich am Freitag mit der amerikanischen Organisation, die unsere Krankenversicherung bei der Continentale in den USA betreut. Wir werden jetzt ID-Karten erhalten, mit denen wir bei bestimmten Ärzten in einem Netzwerk relativ problemlos ohne Eigenanteil behandelt werden. Kim muss zum Kinderarzt um ihre Auffrischungsimpfung für Tetanus, Kinderlähmung, etc. zu erhalten – allerdings kann es sein, dass Kira und Kim noch weitere Impfungen erhalten, da in den USA andere Vorschriften gelten. Für Andor und mich müssen interessanterweise Routineuntersuchungen vorab genehmigt werden – je nach Datum der letzten Untersuchung.
Mit ein paar Adressen für Möbelläden (gelobt sei das Internet) machten wir uns auf den Weg nach Berkeley. In einem Möbel-Outlet zeigte uns der indische Verkäufer in einer verworrenen verschachtelten Anordnung von winzigen Ausstellungsräumen verschiedene Sofas. Mit unschlagbaren 200 $ entschieden wir uns schnell für einen dunkelbraunen Zweisitzer, der sich zu einem Bett umklappen lässt. Ohne scharfe Ecken und mit robustem Bezug ist das Sofa kindersicher gepolstert. Für 25 $ konnte das Sofa schon abends geliefert werden, was uns um jede Verlegenheit brachte, gebrauchte oder IKEA-Sofas durch die Gegend zu transportieren.
Auf der San Pablo Avenue besuchten wir noch mehrere Läden: eine flohmarktartige Ansammlung von gebrauchten Gartenmöbeln, Badewannen, Eisenbeschlägen, Stuckdeckendekorelementen, etc., einen Refurbish-Laden, in dem alte Möbel mit neuen, fancy Polstern und Farben aufgehübscht werden und einen Gartenmarkt. Dort wollte ich mir auch den Traum von einer Palme auf dem Patio (= Balkon) erfüllen (schöne Grüße nach Aldenhoven ;-) ). Ein hilfsbereiter Latino-Lehrling zeigte mir alle Möglichkeiten, wobei allerdings durch die Beschreibung der Balkonlage (Norden :-( ) schnell klar wurde, dass ich mit Farnen besser bedient wäre. Ich entschied mich für zwei Blühpflanzen mit pinkfarbenen Blüten, wie Kira natürlich aussuchte, und für einen mannhohen Papyrus, der nur glücklich mit viel Wasser wird. Die Blumen muss ich noch in die blauen Übertöpfe einpflanzen und sicherstellen, dass darunter Schalen stehen, die Wasserstau auf dem Boden verhindern (könnte ja den Beton des Balkons verrotten laut Bewohner-Handbuch). Der Verkäufer half uns beim Einladen in den Lincoln. Als ich ihm daraufhin einen Tip für seine Hilfe geben wollte, lief er aufgeregt weg: „No, no guys!“. Andor hatte ihm wohl gerade auch schon 2 Dollar in die Hand gedrückt.
Es war schon nach 2 Uhr p.m. und wir bekamen doch langsam Hunger. Ich konnte Andor wieder zu einem Besuch bei Taco Bell überreden, wo wir uns die Mega-Combo mit verschiedenen Burritos, Tacos und Soft-Tortillas bestellten. Für Vegetarier gibt es statt der Fleischfüllung auch eine reine Bohnenfüllung, die ich für alles in Auftrag gab. Die Kinder aßen wenig - An den frittierten Kartoffelstücken war wieder ein schärferes Gewürz, was Kim nicht mochte, und Kira spielte wie immer am liebsten mit dem Strohhalm in ihrer Pink Lemonade. Als das Essen in Schweinerei auszuarten drohte, packten wir alles ein und aßen zuhause weiter. Kim fiel schnell in einen Nachmittagsschlaf und Kira war auch müde. Andor bekam langsam Magen- und Bauchgrummeln, was sich im Laufe des Abends und des Nacht zu üblem Erbrechen und Durchfall steigerte. Ich hatte nicht viele Tacos gegessen, so dass es mir weniger schlecht ging. Laut Internet ist eine Bohnenvergiftung auch bei roten Bohnen möglich, wenn sie nicht genug gekocht worden sind. Hätte man einen guten Anwalt, hätte man hier in den Staaten sicher ein gutes Sümmchen einklagen können ;-)
Die Couch wurde geliefert und Kira und ich begannen die erste Leinwand zu bemalen – Mit ein paar Bildern an den Wänden hallt es hier hoffentlich bald weniger.

Am Samstag gammeln wir vor uns hin - die Kinder sind sogar so lieb, dass wir alle einen gemeinsamen Mittagsschlaf auf dem kleinen Queen-Size-Bett halten können. Mit ein paar Fotos vom Village schließe ich den Tag.


Ohlone Ave vor unserem Haus - Blick nach Westen


Ohlone Ave vor unserem Haus - Blick in die Parkzone und auf den Abfallsammelbereich


Ohlone Ave vor unserem Haus - Blick nach Osten

Häuser im East Village


Häuser im West Village


Rasenfläche und Spielplatz in der Mitte


In unserem Hinterhof - Wäschehäuschen und Spielplatz


In unserem Hinterhof - Kira und Kim spielen


Auf der neuen Couch

3 Kommentare:

  1. Hallo Ihr Auswanderer,
    da habt Ihr eine schöne Wohnlage gefunden und das in so kurzer Zeit. Da könnte ich mich auch wohl fühlen. Vor allem für die Kinder ist es dort fast ideal. So ähnliche Wohnanlagen hatte ich damals in Dänemark schon bewundert. In Deutschland ist das nicht möglich da Jeder streng auf sein Eigentum achtet.Da ist eine Gemeinschaftswiese hinter dem Haus nicht realisierbar. Es ist eben eine andere Lebensart.
    schön, wie Ihr das Chaos gelassen meistert.

    Viele Grüße Manfred

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  2. Oohh,Andi sieht auf dem letzten Foto ja richtig übel aus.Man muss sich wohl wirklich komplett umstellen mit dem fremden Essen.Steckt man manchmal doch nicht alles so problemlos weg.
    Wir sind zum Glück noch alle gesund,obwohl es hier schon arg kalt ist.
    So langsam füllt sich ja Eure neue Bleibe.

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  3. Ist mein Patenkind schon Alkoholikerin?? ;-)

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