Text 1

Oder wo sich unsere Familie sonst noch rumtreibt !

Samstag, 6. November 2010

Muirwoods und der Pazific

Am Freitag erkunden wir die nähere Umgebung zu Fuß, besonders die ‚San Pablo‘, welche am Perimeter der Village entlangläuft und von Richmond im Norden bis Emmeryville im Süden sehr weitläufig ist, als auch die ‚Solano‘, die Hauptstraße von Albany, auf der wir damals im Bus hierher gekommen sind und an der eine größere Filiale der Bank of Amerika gleich neben einem Safeway liegt. Wir suchen einen per Google Map gefundenen Laden auf, der gebrauchte Fernsehgeräte verkauft und auch repariert, finden aber leider nichts Vernünftiges, also kein Gerät, in dem ein Receiver integriert wäre. Wir greifen Donuts und Coffee2go auf, Barbara holt sich einen Tee zum mitnehmen. Auf dem Weg die ‚Solano‘ hoch kommt uns eine Amerikanerin entgegen. Coffee2go und Handy in einer Hand sucht sie telefonierend mit der anderen in ihrer Handtasche, welche sie um ihren Hals trägt, nach irgendeinem Gegenstand (wahrscheinlich ein Notizbuch, oder Dayplaner). So laufen die Dinge eben hier … wir müssen noch viel amerikanischer werden ;)
Mit dem Auto erkunden wir auch das hinter der westlichen Grenze der Village (aber zu Fuß kaum erreichbaren) Gewerbegebiet und finden endlich ein größeres Einkaufszentrum, ein ‚Target‘. Wir schlendern ca. 2h in dem dreistöckigem Gebäude, von dem zwei Etagen für Käufer vorgesehen sind, umher und kaufen neben einigen nützlichen Kleinigkeiten noch ein Prinzessinnenspielzelt für Kira und Kim und einen 22 Zoll kleinen Flachfernsehr von Philips für 250 Dollar. Der ist zwar recht klein, lässt sich aber später, sollte der Beamer mal bei uns eintreffen, auch im Schlafzimmer nutzen, verfügt über einen Receiver für Sat und Kabel, mehrere Anschlüsse für DVD/Bluray, Camcorder usw., als auch einen vorverstärkten Ausgang für ein 5.1 Audiosystem. Ein VGA Anschluss ist auch vorhanden, womit sich das Gerät auch als Computermonitor verwenden lässt. Wir finden auch einen 24“ Computer TFT von Acer für 125 US$ (90 Euro), den wir aber noch nicht brauchen und daher nicht kaufen. Kira wünscht sich zu Weihnachten die Lego Feuerwehrstation. Eine Feuerwehr- als auch Polizeistation befindet sich gleich gegenüber der Grundschule, welche sich nördlich der Village anschließt und somit nur hundert Meter von unserer Wohnung entfernt liegt. Hier könnte Kira auch einmal in der Woche Soccer spielen. Sobald wir einen festen Zeitplan entwickeln, werden wir diese Möglichkeit wohl auch wahrnehmen. Solange wir aber nicht wissen, wann wir in naher Zukunft für feste Termine Zeit haben, machen wir keine festen Zusagen.
Mit dem Target und dem Safeway haben wir endlich kostengünstigere Einkaufsmöglichkeiten für Nahrungsmittel gefunden. Trotzdem muss man festhalten, das Nahrungsmittel deutlich teurer sind im Vergleich zu Deutschland.
Zuhause (wir nennen das Apartment in der Village jetzt so) angekommen bauen wir das Zelt für die Kinder auf nehmen den Fernseher in Betrieb. Wir haben kein öffentliches Kabelfernsehen sondern bekommen nur 90, von der UC Berkeley eingespeisten Sender herein. Aber wir bekommen endlich wieder Nachrichten (national als auch lokal), es gibt einen Wetterkanal und die Kinder können Cartoon Network (CN) oder den Disney Channel sehen. Der Abend klingt also mit mehreren Cartoon von ‚Scooby Doo‘ aus. Kim wird als erstes müde und schläft sogar in ihrem eigenen Bett ein. Kira hält es am längsten aus, muss mit ins große Bett und ist noch wach, als Mama und Papa schon eingeschlafen sind.

 Der Wochenendtripp
San Quentin von der Richmond-Brücke aus betrachtet.
Es ist Wochenende (Samstag) und was mach eine waschechte amerikanische Familie an einem Samstag? Richtig, sie stehen früh auf, packen Kind und Kegel ins Auto und machen einen Familienausflug. Ziel der Reise ist Muirwoods, ein Tal nördlich des Golden Gate, welches uns die Mama von Rebecca und Phil (wir erinnern uns) nahegelegt hat, zu besuchen. Nach einem Abstecher über die Uni um wichtige e-mails abzuchecken und zu versenden (wir haben immer noch kein Internet im Apartment) fahren über die nördl. Brücke bei Richmond auf die andere Seite der Bay, verlassen den Freeway und befinden uns praktisch im nächsten Moment in einer atemberaubenden Gebirgslandschaft, die ein wenig an Sardinien erinnert. Bzw. auf dem ‚Höhepunkt‘ unserer Reise auf etwas mehr als 1000 Fuß, meint man, sich im Hohen Venn zu befinden … was möglicherweise auch nur an der kargen Bepflanzung als auch am Hochnebel legen kann. Nach einer schier endlos wirkenden Abfahrt auf engen, sich an der Bergwand entlang schlängelnden Straßen, erreichen wir unser Ziel. Wir finden aber keine Abstellmöglichkeit für den Lincoln und müssen die Straße noch über eine Meile weiter entlang fahren, bis wir ihn endlich am Straßenrand abstellen können. Am Eingang des Parks angekommen, werden wir auch darauf hingewiesen, dass es nur wenige Parkmöglichkeiten gibt und der Park besonders am Wochenende gut besucht ist. Deswegen verwundert uns auch nicht folgende Szene: Familie mit einem Kind, die Tocher (etwa in Jessicas Alter) stürmt auf die Toiletten zu und ruft, für uns gut zu verstehen, zu ihrem Daddy „I’ve got to go to the restroom“. Daddy ruft: „Why? You’ve went there right bevor we startet.“. Daraufhin ihre Antwort: “That was three hours ago.” ;) Ja, so sind sie, die Amerikaner. Am Wochenende ist kein Weg zu weit für einen Familienausflug. Wer aus Sacramento oder weiter her kommt muss einfach nur früher losfahren um am Ziel zu sein.
Wie auch immer, der Park erfüllt all unsere Erwartungen. Die Bäume sind riesig … gigantomanisch geradezu. Bilder geben das nicht im Entferntesten wieder. Die ältesten Exemplare sind im 8ten oder 9ten Jahrhundert gekeimt, stammen also aus der Zeit Karls des Großen. Nahezu alle diese Baumriesen sind auf den unteren 20 bis 30 Metern verrußt oder gar verkohlt. Bevor hier Waldbrandbekämpfung betrieben wurde, brannte das Unterholz wohl alle zehn bis 30 Jahre ab, das Feuer kann aber die Wipfel der Baumriesen nicht erreichen, welche allen Anschein nach genug Feuchtigkeit besitzen, einem größeren Waldbrand zu trotzen … sonst würden hier keine über tausend Jahre alten Bäume stehen. Rechts und Links der Wege stehen Tafeln mit der Geschichte des Tales. So trafen sich hier am 19ten Mai 1945 auf einer Lichtung Vertreter der gerade gegründeten Vereinten Nationen. An  einer anderen Stelle stand einmal ein Schrein zu Ehren Buddahs usw.
Kira kann ihren Bewegungsdrang einmal nachgehen und auch Kim wühlt das eine oder andere mal im feuchten Waldboden. Da Picknick im Park verboten ist und wir deswegen, mit Ausnahme der Saftflasche für Kim, keinerlei Nahrung mit uns führen, suchen wir das Cafe im Park auf um wenigstens ein paar Teilchen, Kaffee und Tee zu trinken. Wir sind mal wieder zu un-amerikanisch und essen die Leckereien im Cafe. So macht man das hier nicht, ein guter Amerikaner kauft das Essen nur ein, nimmt es in einem braunen Papierbag mit und isst das klebrige Zuckerzeug dann im Auto während der Fahrt. Wir haben es aber nicht eilig, Kira verteilt ihren Kakao auf der Jeanshose und ist ob ihrer Unzulänglichkeit übertrieben angefressen, hat den Vorfall aber bereits nach wenigen Metern, als wir aus den Cafe raus sind, wieder vergessen. Im Cafe treffen wir im übrigen unsere Nachbarn aus der Village, welche auch das Wochenende für einen Ausflug ins Moirwood nutzen.





 


Der Pazifische Ozean wird erreicht
Wir verlassen das Tal der riesigen Bäume und fahren die Straße weiter zum Strand und treffen endlich auf den Pazifik. Das Wasser ist gar nicht mal so kalt wie erwartet, aber zu kalt um darin baden zu gehen. Wenn es Sommer ist, und die Lufttemperatur deutlich höher, dann wir hier das Baden allerdings möglich sein. Zumindest wenn man norddeutsche Verhältnisse gewöhnt ist.
Kira ist das alles egal, sie findet einige andere Kinder, lässt sich die Schuhe ausziehen und die Jeans hochkrempeln und läuft ins Wasser. Irgendwann ist dann ihre Hose zu nass und wird auch ausgezogen. Mit einem anderen Mädchen jagt sie Wellen hinterher nur um nur wenige Sekunden später wieder vor der nächsten wegzurennen. Etwas später wird sie dann gänzlich nass als sie in einer Mulde stolpert und halb im Wasser verschwindet. Ich renne natürlich sofort zu ihr, weil die Gefahr besteht, dass sie keinen Halt findet, weiter ins Wasser gezogen wird und dann bei der nächsten Welle in Probleme geraten könnte. Meine Angst ist unberechtigt, trotzdem sind meine Schuhe und Socken jetzt auch nass … wie froh ich doch bin, dass ich mich heute wieder für Shorts statt einer Hose entschieden habe. Wir lassen Kira nur noch kurz weiterspielen, denn ihr wird kalt und Kim wird das Buddeln im Sand langsam auch langweilig.
Auf dem Weg zum Parkplatz treffen wir wieder unsere Nachbarn und mit einem letzten Blick Richtung Meer verabschieden wir uns vom Pazifik … der ja eigentlich immer das Ende einer gut geplanten Amerikatour darstellt, also haben wir für unsere Tour durch die USA, die ja noch kommen wird, das Ende schon mal vorweggenommen ;)






Wir sind also schon zwei Wochen in den USA. In der Bayarea gab es in diesem Zeitraum 29 Erdbeben, von denen aber keins über 2.5 auf der Richterskala und somit im für Menschen spürbaren Bereich lag. Wir haben eine Wohnung gefunden, ein Auto gekauft, San Francisco und den Pazifik gesehen, Halloween miterlebt und eine Menge netter Leute kennen gelernt.

5 Kommentare:

  1. Das ist ein so süßes Bild von Kira, die durch den Pazifik läuft!!!!

    AntwortenLöschen
  2. Gruß aus dem WZL und Happy Birthday Andi!

    AntwortenLöschen
  3. Einen richtigen Wald gesehen und Wasser vom Pazifik mitgenommen.Das ist schon abenteuerlich. Mein neuer Pokerkurs hat gestern angefangen. Das ist zwar auch abenteuerlich,aber da würde ich doch auch lieber durch den Wald stromern und die Wellen jagen.Gibt es da auch Wale?
    HAPPY BIRTHDAY HAPPY BIRTHDAY HAPPY BIRTHDAY

    AntwortenLöschen
  4. Hallo,
    ich kann euch nur empfehlen ins Yosemite Valley zu fahren.
    Am besten Wochentags, solange Barbara noch frei hat. Aber es kann sein, dass dieses Jahr schon zu weit fortgeschritten ist, um noch zum Glacier Point fahren zu können. Dann auf jeden Fall im Frühjahr hin. Der Muir Woods NP ist langweilig dagegen :-) .
    Viele Gruesse und Happy Birthday an Andor, Fugger.

    AntwortenLöschen
  5. Der Yosemite steht natürlich auch auf unserer Liste, allerdibgs ist er leider etwas weiter weg und unsere Kiddis sind noch nicht richrig Kilometer... ich meine Meilenfest ;)
    Das Wetter ist leider auch was usselig, daher unternehmen wir erst mal nur kürzere Tripps, gibt uns auch etwas Zeit noch andere Dinge nebnher zu erledigen.
    Joachim hat uns übrigens darauf hingewiesen, daß man im ersten Bild San Quentin (das Hochsicherheitsgefängnis an der Bay) sieht. Barbara hat aus dem Auto ja extra das Bild gemacht. Wir fuhren an dem Tag das 1te mal diese Brücke von Richmond kommend nach Westen, also auf der oberen Etage und hatten einen guten Blick drauf. Hier sitzen angeblich an die 800 (?) Lebenslängliche ein. Makler taxieren das Gelände auf einen Marktwert von 8 Mrd. (Billion, wie die Amerikaner sagen) US$, wenn die kalif. Regierung das Gefängnis verlegen, und das Gebiet als Baugrundstück veräussern würde.

    AntwortenLöschen