Eine neue Woche bricht an. Nach einem vormittaglichen Abstecher zu IKEA, Best Buy und Toys’R’us geht’s mit einem großen Teppich auf der Mittelkonsole wieder in die östlichen Hügel. Unser Ziel ist diesmal eine Tierfarm. Leider bedeutet auch in Kalifornien, das im November schon Winter ist (trotz über 20 Grad Außentemperatur) und der Tierpark ist nur eingeschränkt benutzbar.
Kira muss danach natuerlich wieder unbedingt auf den Spielplatz rumtoben. Bei der Gelegenheit versucht sie Wasser aus einen der Spenderzu trinken. Es klappt auch, ihr Hemd wird nur etwas nass.
Langsam wird es dunkel und auf dem Nachhauseweg sehen wir die Sonne ueber den Pazifik untergehen.
Es ist Dienstag. Wir hatten uns im Vorfeld, also in Deutschland, ja bereits viele Gedanken darüber gemacht, welches Auto wir in Berkeley kaufen wollen. Aus verschiedenen Gründen fiel unsere Entscheidung damals auf den Crown Victoria von Ford. Dieser Wagen soll sehr zuverlässig sein, und mal ehrlich: Welcher Wagen bringt schon die Präferenz mit, als Polizeiwagen in L.A., der Highwaypolice, als auch als Taxi in N.Y. bedingungslos eingesetzt zu werden, wobei die Autos meistens deutlich über 300.000 Meilen runter reißen. Zudem kann man den Wagen, sollte mal eine Panne auftreten, nahezu überall in den USA reparieren lassen, da sich sehr viele Autowerkstätten mit diesem Modell auskennen, und das Schlachtschiff von Ford keine komplizierte Technik vorzuweisen hat. So muss sich der Besitzer eines BMW (als Gegenbeispiel) im Mittel über 50 Meilen abschleppen lassen, bis er auf eine BMW Werkstatt trifft, die seinen neuen X5 reparieren können. Beim Crown Victoria sollen es angeblich nur 7 Meilen sein. Desweiteren sind die Versicherungsprämien im Vergleich zu kleineren oder gar sportlicheren Wagen recht günstig und auch die Kaufpreise sind sehr niedrig, da die amerikanischen Fullsize Sedans schon seit Jahren aus der Mode geraten. Ford hat die Produktion des Crown Victorias übrigens 2008 eingestellt und 2011 soll auch das letzte Modelljahr für dessen Schwestermodell, den Mercury Grand Marquis werden. Der einzige Nachteil dieses Modelles ist sein ungeheurer Spritkonsum von mind. 13 Liter auf den Kilometer (Anmerkung: Die Amerikaner berechnen den Spritverbrauch anders herum, hier spricht man von MPG, was Miles per Gallone heißt, und damit angibt, wie weit ein Wagen mit einer Gallone kommt.), was an den seit nunmehr fast 30 Jahren nahezu unveränderten V8 Aggregat mit 4,6 ltr. Hubraum liegt, der im Übrigen in abgeänderter Form und mit 305 PS das Herz des Mercury Marauder als auch des ‚neuen‘ Ford Mustang GT (ab Modell 2005) ist.
Ein weiterer Punkt, sich für einen Fullsize Sedan zu entscheiden war auch der, dass, wenn man schon einmal hier drüben ist, eine (wenn auch scheidende) amerikanische Legende über die Straßen bewegt, denn mal ehrlich: Einen Audi A6 oder einen aktuellen SUV mit hochdrehendem Vierzylinder kann man auch in D. später noch fahren.
Da unser Mietwagen mit Versicherung schon über 500 US$ für die Woche kostet, fangen wir also heute Morgen im Computerraum unserer Wohnanlage nach geeigneten Kandidaten zu suchen. Sehr interessant ist im Übrigen die Carfax Webseite in denen man teilweise die komplette Historie eines angebotenen Wagens finden kann. Leider werden nur wenige Crown Victorias angeboten, denn laut Carfax werden die meisten Autos dieser Art in den letzten Jahren über Auktionen ersteigert, was auch nicht verwundert, da dieser Wagen von Ford ausschließlich an Behörden (Polizei, Feuerwehr, Dienstwagen) bzw. an Taxiunternehmen verkauft wird, wobei auch die Taxiunternehmen ihre Autos bereits gebraucht von Behörden, teilweise 10 Jahre und älter, erstehen.
Auch die Liste der anderen auf Fords ‚Panther‘ Plattform basierenden Autos der Fullsize-Klasse ist leider recht kurz, so finden wir im Umkreis von 50 Meilen gerade mal 8 Angebote, weshalb ich sogar in Betracht ziehen, einen Buick Park Avenue oder Regal zu kaufen. Idealerweise hat ein Ford und Subaru Händler nur 1 Meile von unserem Haus entfernt in Albany ein 99er Lincoln Towncar für 6000 US$ im Angebot. Da das nächste Objekt schon 21 Meilen entfernt liegt, schauen wir uns also zuerst einmal dieses Towncar an. Das Towncar ist als Neuwagen leider recht hochpreisig (47.000 US$ statt 24.000 US$ für den Crown Vic) was an der deutlich besseren Ausstattung liegt.
Die Probefahrt war, ich möchte es mal so formulieren: Sehr aufschlussreich. Während der Chevy in der VW-Passat-Klasse noch als Auto zu bezeichnen ist, möchte ich das Towncar eher als tiefer gelegten LKW bezeichnen. Die Lenkung ist jedenfalls in etwa so indirekt wie die vom 7,5-Tonner, mit dem wir vor drei Jahren unseren gesamten Hausrat von Aachen nach Barmen transferiert haben. Die Kiste wiegt dann auch noch fast zwei Tonnen und kommt trotz 220 Pferdestärken in echte Verlegenheit, als wir eine 15 % Steigung hoch wollen. Der Antritt bei der Auffahrt auf den Freeway ist allerdings bemerkenswert, was wahrscheinlich auf das brutale Drehmoment des Achtzylinders zurückzuführen ist. Das ganze wird dann noch durch eine Luftfederung komplettiert, die in der Kurvenfahrt deutlich ‚dagegenhält‘, aber so weich ist, dass man über jede Bodenwelle ins Schaukeln gerät. Die Sitze haben auch eher etwas von einer Couch und in der Tat: Es sind sogar zwei. Der Hebel für die Bedienung der Automatik befindet sich nämlich am Lenkrad, weshalb man auch zu dritt vorne sitzen kann. Breit genug ist die Kiste ja (1,998 Meter), und lang. Laut Wikipedia 5 Meter und 40 Zentimeter. Wer in Europa ein solches Schiff fahren möchte, muss schon zum Maibach greifen, der kostet aber auch gleich das 40 fache.
Zu unserem Glück bot der Ford Händler den Wagen schon für 4998 US$ an. Allerdings (wie in den USA üblich) in netto. Ich sage dem Verkäufer gleich, das ich den Wagen für 5000 US$ kaufen würde, wenn dieser sich um Taxes und allen anderen Kram kümmern würde. Dass mein Gegenangebot im Grunde wahrscheinlich schon zu hoch war konnte man an der Reaktion des Verkäufers erkennen. Jedenfalls gingen wir gleich ins Büro. Der vom Händler veranschlagte Bruttopreis lag dann bei ca. 5.800 US$, da neben der Salestax von 9.75% noch mehrere Gebühren (ich glaube es waren insgesamt 6 Gebühren und 50 US$ für die Abgasuntersuchung) dazukamen. Man versucht dann, noch 5.500 von uns zu bekommen, wir aber signalisieren, das unser Limit bei 5000 liegt und Barbara macht eine Szene und wir streiten uns über Möbel usw. Wir treffen uns dann schließlich doch recht fix bei 5150 US$ was in der Tat darauf hindeutet, das der Verkäufer mit diesem Preis doch recht zufrieden ist. Wir hingegen hätten ja noch weiter nach anderen Autos suchen können, aber man muss ja auch bedenken, was kostet es, über mehrere Tage hunderte von Meilen zu fahren, zumal wir den Chevy ja am Do. früh auch wieder abgeben müssen.
Was nun folgt ist ein brutaler Papierkrieg durch ein Verfahren, an dem sogar ein preussischer Beamter verzweifelt wäre. Zunächst einmal ist die Bezahlung so ein Problem. Da wir keine SSN besitzen, ist ein Ratenkauf unmöglich und wir müssen bar bezahlen. Wir setzen 2150 US$ via. Travelercheques, 2000 US$ über die Debitkarte der Bank of Amerika und 1000 US$ über die Kreditkarte der Postbank ein. Barbaras EC Karte funktioniert hier ja irgendwie nicht und meine wurde wahrscheinlich nach dem zweiten IKEA Einkauf aus Sicherheitsgründen (zwei Einsätze aus den USA über relativ hohe Summen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen) von der Postbank gesperrt. Der Einsatz der BoA Debitkarte macht Probleme, da wir unsere neue Adresse der Bank noch nicht mitgeteilt haben. Babs muss also telefonieren, man gibt die 2000 US$ für die Hoteladresse frei. Für die Adressänderung müssen wir persönlich bei der Bank vorbei (was völlig richtig ist, da sonst ein Fremder, der die Kontodaten hat, die Adresse ändern lassen könne um sich nur kurze Zeit später eine neue Karte samt Zugangsdaten auf die neue Adresse selber zuschicken lassen könnte). Der AAA hatte uns vor zwei Tagen bereits angeboten ein Auto auch mit dem Int. Führerschein für 950 US$ p.a. zu versichern (was angeblich ja auch nicht möglich ist) und dass wir unsere kalifornische DL nachliefern können. Also macht man uns ein Gegenangebot und man versucht Mittel und Wege zu finden, den vorgegebenen ‚Richtwert‘ zumindest so weit zu unterbieten, das wir sofort den Vertrag unterschreiben. Wir werden sogar in eine günstigere Schadensfreiheitsklasse aufgrund unseres Alters eingestuft und gelten nicht als Fahranfänger (es geht also doch) und zwar ohne internationales Zertifikat, welches die SF-Klasse in Deutschland wieder auf 0 setzen würde. Auch unserer Bildungsstand (besonders Barbaras PhD), der Familienstand und unsere Kinder spielen eine Rolle und man bietet uns einen Vertrag (zu den gleichen Konditionen) für 713 US$ an.
Auch dieser Betrag muss für 1 Jahr im Voraus entrichtet werden, eine monatliche Zahlungsweise würde die Kosten exorbitant ansteigen lassen (mehr als in D. üblich). Wir bekommen einen Aufkleber an die Windschutzscheibe geklebt, mit der wir den Wagen bewegen dürfen, denn die Licenzeplates werden hier einem per Post irgendwann zugestellt.
Der ganze Zauber... die Suche im Netz, die Probefahrt, die Verkaufsverhandlungen, die Barzahlung, Registrierung und Versicherung dauert insgesamt dann doch nur 5 Stunden und wir schaffen es zu einem verspäteten Mittagessen beim Mexikaner. Kira und Kim haben rechten Hunger, ich kann nicht sehr viel zu mir nehmen, haben wir doch tatsächlich den Autokauf in kürzester Zeit über die Bühne gebracht, den ich schon vor über einem Jahr so geplant hatte. Mit der Ausnahme, das es kein Crown Victoria wurde, auch kein Mercury, sondern gleich das Towncar.
Wir fahren also mit zwei Wagen zurück, die Kinder wollen nicht schlafen, Babs ist irgendwie geschafft. Ihr ist das alles zu schnell gegangen. Ich bringe zwei Waschladungen zum Laundryroom #3. Was für ein Komfort, ich kann zwei Ladungen einfach gleichzeitig waschen... es hätten auch sechs oder acht sein können. In Barmen habe ich die Wäsche zwar auch immer nach Weiß, Bunt und (weil wir davon so viel haben) Rot + Rosa sortiert, musste die Ladungen allerdings immer nacheinander in eine Maschine werfen. So ein Gemeinschaftswaschraum macht wirklich Sinn. Die Kinder spielen den restlichen Nachmittag draußen im Innenhof unseres Häuserblocks. Endlich kommen wir mal dazu, unsere Nachbarn kennenzulernen. Wir treffen Keiko, eine japanisch stämmige Kanadierin, und wir reden darüber, dass es bei Startrek Deep Space Nine auch eine Keiko gab, genauso wie eine Kira... so heißt ja unsere Tochter. Ihr Sohn heißt Akira J. Barbara schließt Kontakt mit unseren französischen Nachbarn.
Abends bauen wir dann auch noch das letzte Bett (von Kim) auf, allerdings wollen weder Kim noch Kira in ihren eigenen Betten einschlafen. Beide Kinder sind sehr anhänglich geworden, was aufgrund der äußeren Umstände aber auch verständlich ist. Wir müssen beide zwischen uns legen und leider halten sich die beiden dabei noch ordentlich wach. Als beide gegen 22:20 einschlafen, trage ich sie rüber in ihre Betten.
Ich hätte Euch einen Pickup als Familienwagen vorgeschlagen. Vorne ist für 5 Personen Platz und hinten kann man alles reinwerfen, es regnet ja eh kaum, außer an den Tagen an denen Ihr ankommt. Das ist aber nun vorbei.
AntwortenLöschenBig car.Mit dem Schiff würde ich in Aachen wohl niemals nen Parplatz bekommen,es sei denn, ich parke direkt auf dem Tivoli.Wahrscheinlich könnte ich noch nicht mal auf meiner eigenen Einfahrt parken.So sind sie halt,die Amis.Kennt Ihr noch kein 10 jähriges Mädchen,dass sich gerne mit Nine schreiben würde?
AntwortenLöschenDas Lincoln Towncar ist ein Riesenschiff! Da ist so viel Platz wie in einem europaeischen Pickup mit Dach ;-)
AntwortenLöschenHier fangen leider auch bald die Regenmonate an.
Die Parkplaetze sind hier wenigstens auch groesser und Andor liebt es rueckwaerts parken zu ueben.
Eine Brieffreundin fuer Nine werden wir gerne suchen. Sind Franzosen, Israelis, Mexikaner auch ok? ^_^
Die Szene beim Autohaendler war uebrigens fingiert ;-) Die Leute dachten zunaechst bestimmt, mit uns hat man leichtes Spiel, weil Andor das Auto sofort haben wollte.
AntwortenLöschenNine meint zum Thema Brieffreundin : Hauptsache keine Zicke.
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