Am Sonntag morgen fuhr Andor zum Trader Joe‘s, einer US Tochter von Aldi. Hier ist Trader Joe’s ein Upperclass-Supermarkt mit Organic Food. Inspiriert von meinem neuen Brot-Backbuch gab ich bei Andor Trockenhefe und verschiedene Sorten Mehl in Auftrag. Nach 1 Stunde kam Andor zurück – ohne Hefe (Verkäuferin: „Die gibt es nur im Internet.“) und um einen zweiten Supermarktbesuch bei Target reicher (Trader Joe’s hat keine Pampers…). Wenigstens ist das Sparkling Water bei Trader Joe’s fast bezahlbar mit weniger als 1 $ für 1.3 l. Damit konnte ich mir endlich endlich wieder Apfelschorle mixen - ein absolutes und unerwartetes Highlight. Hier in den USA sind Stille Wasser in allen erdenklichen Flaschengrößen gang und gebe, aber Sprudelwasser unglaublich selten. Fliegenklatschen scheinen auch etwas Unbekanntes hier zu sein – Das ist auch wieder ein Importgut aus Deutschland auf meiner Liste :-)
Nachmittags wollten wir für die zwischenzeitlich eingetopften Balkonpflanzen Steine holen, damit Kim nicht immer in der Erde buddelt. Der Tipp vom Gartencenter war „Acapulco Rocks and Soil” in Albany. Ein Stück weiter nördlich gibt es auch das “Home Depot”, einen großen Baumarkt, von dem ich mir auch noch Dübel, Untersetzer und Balkonmatten versprach.
Wir fuhren am Acapulco Rocks and Soil vorbei, passierten eine verwirrende Freeway-Auffahrt und landeten an Isabels Point, einer kleinen Halbinsel in der Bay. Bei der Suche nach einer Wendemöglichkeit gelangten wir auf den Parkplatz eines riesigen Ladens namens „Costco Wholesale“. Zahlreiche Leute schoben große Einkaufswagen mit diversen Großpackungen vor sich her – Ich bettelte Andor an, doch mal kurz in den Markt gucken zu gehen, was so viele Leute an einem Sonntag Nachmittag anzieht. Andor war auch neugierig, welcher Laden direkt neben dem Eingang einen riesigen „Tire Sale“ hat, und so saßen Kira und Kim wenige Minuten später nebeneinander im Einkaufswagen (ja, so groß sind die hier).
Im Costco staunten wir sofort über die Lagerhallenatmosphäre, die ewig hohen Regale und die Riesenfernseher am Eingang. Drinnen wurde schnell klar, dass es hier alles Mögliche gibt, und zwar in Riesengebinden , aber ohne große Auswahl. Kira war direkt Feuer und Flamme für die Spielzeuge – ein Star Wars R2D2-Roboter, ein kleiner Laptop und das Barbie-Flugzeug. Mit letzterem schrie sie uns in allen Tonlagen immer wieder die Ohren voll: „Ich will ein pinker Flugzeug haben“. Wir wollten den Laden schon wieder verlassen, weil es immer voller wurde, als Andor sich von Kira zu Lollies überreden ließ. Es wurde dann eine Großpackung KitKat und, als der Damm nun einmal gebrochen war, noch einiges mehr. Cappuchino-Packs, 12 Bagels zum Preis von 6, 1,5 l Eggnog, 30 Budweiser-Dosen, 555 g Brie, 1,1 kg Gouda für 11,90 $ (Andor rechnete mir den Aldi-Kilopreis vor), eine Riesengewürzpackung California Garlic - und sogar 2 lb active dry yeast (Trockenhefe). So viel Hefe habe ich noch nie gesehen, denn geschweige, in meinem Leben je zu mir genommen, denke ich. Das sollte eine Weile reichen, vor allem, weil mein erstes , gut gelungenes Brot am Montag nur einen Teelöffel Hefe brauchte. Käse am Stück gibt es hier nicht so häufig, dafür hat man aber jegliche Auswahl an geraspeltem Käse zum Überbacken…
Wir waren begeistert. An der Kasse dann die Verwunderung – „You are no members?“ Es gab hektisches Telefonieren mit dem Walkie Talkie, Herumgelaufe, 50 $ Membership fee auf unsere Rechnung und wir mussten hinter der Kasse die Mitgliedschaft beantragen. Man hätte schon früher stutzig werden können und in unserem Amerika-Buch wurde explizit beschrieben, dass man Mitglied in manchen Läden sein muss, aber was soll die Diskutiererei. Jetzt sind wir Costco-Premium-Mitglieder – schön amerikanisch :-) Die Sondermitgliedschaft von 50 $ zusätzlich bringt 2 % Rabatt auf jeden Einkauf, macht sich also bei 200 $ pro Monat bezahlt und angeblich kann man sie wieder zurückgeben, wenn wir unzufrieden sind. Schauen wir mal.
Als wir den Laden verließen, war es schon duster. In der Nacht habe ich schlecht geträumt, dass wir richtig fett werden, weil wir nur noch Riesenmengen kaufen und die Käsestücke an Dänemark-Urlaube erinnern.
Am Montag war mein erster offizieller Stipendiumstag. Ich hatte um 10 Uhr einen Termin bei Maria, bei dem sie allerdings nur meinen Namen ins System einloggte und mich für den nächsten Tag bestellte. Andor war unterdessen mit den Mädels nach Point Richmond zum PRAM-Treffen (Parents, Resources and More) gefahren. Dort hatten leider alle bis auf Tim und seinen Sohn abgesagt, weshalb Andor ein reines „Vater-Treffen“ genießen konnte. Die Mädels tobten auf dem schönen Feuerwehr-Spielplatz und auf dem Baseballfeld. Zurück vor unserer Wohnung trafen wir uns –Andi, Kira und Kim im Auto, ich per Bus mit ein paar mehr Leinwänden, die ich schon unbemalt an die Wände gehängt habe, damit Kiras Wutgeschrei weniger hallt. Der Tag war unglaublich sonnig und warm (bis 27 °C), so dass wir die Kinder im Hinterhof spielen ließen, ich an Veröffentlichungen weiterarbeitete und wir mit den Nachbarinnen Erfahrungen austauschten. Ein paar der Regeln im UC Village-Handbook stoßen auch bei Anderen auf Verwunderung und nicht alle Regeln bezüglich Geschirrspülern, Katzen, etc. werden immer strikt eingehalten.
Am Dienstag war ich wieder bei Maria, nur um zu erfahren, dass mein Name noch nicht ganz durchs System durchgelaufen war. Das Wetter war zu schön um ungenutzt zu bleiben und so holte Andor mich aus der Stadt ab, was durch die Kinder An- und Umzieherei in die Länge gezogen wurde (Kira: „Nein, ich will das andere Unterhemd.“, „Ich will die pinken Schuhe.“) Unterdessen konnte ich noch etwas lesen und im Internet erfahren, dass das von uns anvisierte Chabot Space Museum Montag und Dienstag geschlossen hat. Daher fuhren wir zur Berkeley Marina, einem netten Yachthafen mit einem langen Pier, an dem Angler ihr Glück versuchten. Der Spielplatz am Birds Watch Beach war schön und gut besucht von einigen Kindern, deren Eltern in der Nähe auf den überall verfügbaren fest installierten Freiluftgrills mit angeschlossenen Hot Coal Mülleimer grillten.
Abends gehen wir auf den Solano Hill spazieren und bewundern die Aussicht auf die Glitzerlichter von Albany und den Berkeley Hills auf der einen Seite und die Lämpchen von San Francisco und der Golden Gate Bridge auf der anderen Seite. Die Prunkvillen haben so uneinheitliche Stile wie Canada-Steinhaus, Schwarzwald-Holzpalast, mediterranes Säulenhaus oder Mittelalterburg. Nur der High Way, der sich hier auch noch in die 80 und 580 teilt, erhöht den Lärmpegel auf der Bayseite gewaltig.
Auf dem Solano Hill bei Tag
Am Mittwoch Morgen war Maria auf einem Workshop, aber ihre Kollegin konnte telefonisch erfahren, dass jetzt alles bereit zur Erstellung meiner Cal ID-Card war. Ich musste quer über den Campus laufen, wurde fotografiert und erhielt meine ID Card. Zurück in der Mechanical Engineering Fakultät sagte man mir, dass Maria sich melden würde, wenn es noch etwas zu erledigen gäbe. Dementsprechend konnte ich wieder das Bussystem verstehen üben. Leider sind die angeschlagenen Zeitpläne nicht konform mit meinen Plänen aus dem Welcome Paket, und die „Next Bus“-Funktion auf der AC Transit Homepage ließ mich gerade die Bushaltestelle so weit verlassen, dass ich nur noch vom richtigen Bus überholt werden konnte. Zumindest hatte ich so Zeit, in die Drogerie zu gehen, mir Haartönung zu besorgen und so die Friseurrecherche, die ich bei Maria weitergetrieben hatte, vorerst auf Eis zu legen.
Zuhause konnte ich dann noch meinen temporären Internetaccount auf die neue Cal-Adresse umstellen lassen und erfahren, dass man problemlos einen Wireless-Router anschließen kann. Den besorgten wir abends auch im Target, zusammen mit einer pinken Sonnenbrille für Kira, die sie seit dem auch In-house ständig trägt. Jetzt haben wir zwei Rechner online und können auch woanders als im Flur surfen.
Donnerstag schaltete Maria meine Cal ID-Karte als Schlüsselkarte für den Kaffeeautomaten in der Library und für Professor D‘s Lab frei. Ich hatte ihn noch immer nicht persönlich treffen können, aber schon per Mail ausgemacht, dass ich am Freitag mit auf eine Studentenexkursion zu Mori Seiki's Digital Technology Lab und zur UC Davis fahren würde. Im Lab konnte ich schon ein paar zukünftige Kollegen und Kolleginnen treffen. Andor, Kira und Kim fuhren derweil wieder zum Treffen der International Spouses im YWCA. Heute war das Motto „Thanksgiving Day“, zu dem jeder etwas zum Essen mitbringen sollte. Die älteren Wives hatten den traditionellen Truthahn zubereitet, allerdings im Bräter, nicht frittiert. Im Fernsehen wird immer wieder der Turkey-Fryer beworben, in dem man einen kompletten Truthahn in siedendes Fett tauchen kann. Unsere traditionell zubereiteten (d.h. gewaschene) Trauben aus dem CostCo fanden auch direkt Abnehmer. Als kleine Überraschung hatte Andor in der Bank of America 2 Bündel mit je20 1-Dollar-Scheinen geholt. Die einzelnen Dollarnoten sind für Tips und Busfahrten notwendig, aber sie rinnen daher auch schnell durch die Finger. In zwei Läden wollte ich einen 10 Dollar-Schein für die Busfahrt klein machen und wurde total abschätzig abgewiesen. Nur Geld Wechseln macht hier keiner, man muss immer eine Kleinigkeit kaufen. Und Wechselautomaten gibt es leider auch nicht.
Immer wieder merken wir die amerikanische Offenheit, wenn wir oder die Kinder einfach so angesprochen werden: „What’s your bear’s name?“, „Enjoy your running?“, etc. Kira kommt das noch komisch vor: „Was der Mann sagt?“ oder sie bricht direkt in Tränen aus. Mir gefällt die Unverbindlichkeit und schnelle Gelegenheit zum Small Talk gut – in Deutschland findet man es höflich, wenn man den anderen in Ruhe lässt.
Abends fuhren wir billig bei CostCo tanken. Den Reifendruck kann man an dieser Tankstelle allerdings nicht überprüfen, sondern muss in die angeschlossene Reifenwerkstatt fahren. Andor befürchtet schon wieder eine epische Suche nach einer Pumpe für Autoreifen. Weiter nördlich in Richmond fanden wir anschließend endlich das Home Depot, wo es nach einigem Herumfragen dann doch eine 12V-Pumpe gab. Andor erstand auch endlich einen Akku-Bohrer, mit dem er die neuen Hohlraumdübel in die Pressspanwände bringen wollte. Die Steine für die Patio-Pflanzen waren beim Self-Check-Out seltsamerweise auch nur 1 Cent teuer, aber die Baumarktverkäufer konnten bei unserer Nachfrage auch keinen Fehler finden. Somit passierte das Unglaubliche – Ehrlichkeit zahlt sich aus oder wird zumindest nicht bestraft.
Am Freitag Morgen fuhr ich zur Uni, wo wir uns um 7:45 Uhr mit den Studenten zur Fahrt nach Davis treffen wollten. Davis ist ca. 65 Meilen entfernt . Ich hatte auch angeboten, beim Carpooling zu fahren. Durch ein paar Verspätungen und einen Studenten, der früher fahren musste, fuhren nachher 11 Leute in 5 Autos… Und das, obwohl unser Lincoln 6 Personen transportieren kann. Die Besichtigungen waren interessant und Prof. D. hatte mich vorab schon überall angekündigt, weshalb sicher in Kürze einige schleiftechnische Projekte anstehen. Bei DTL und an der Uni traf ich auch ein paar CIRP-Bekannte. Die Pizza zu Mittag nahm ich mit meinemTaylor-Medal-Vorgänger ein und wir tauschten uns über Health Insurance, Leben in Berkeley und Davis (er kennt beides) und anderes aus. Meine Vermutung fand sich bestätigt, dass in Davis außer der Uni ziemlich wenig los ist und die Bay Area schon total cool ist. Auf der Rückfahrt von Davis konnte ich den Spritverbrauch auf 15,7 miles per gallon verbessern.
Zuhause konnten Andor und die Kinder nicht viel außer Haus unternehmen, da der für die nächsten Tage prognostizierte Regen begonnen hatte. Die arme Kim hat wieder Durchfall. Während der letzten Wochen sind ja auch an allen Seiten Backenzähne durchgebrochen und weitere Zähne scheinen auf dem Weg zu sein. Kira liebt das Badezimmer mit der tollen Toilettenspülung und dem gut erreichbaren Waschbecken.






Der Costco scheint ja sowas zu sein wie hier die Metro.Da sieht es genauso aus und ohne Mitgliedskarte kommst Du schon garnicht rein. Aber ,dass es so schwer ist, Hefe zu bekommen oder ne Fliegenklatsche ist unvorstellbar.Ich hole die Hefe frisch beim Bäcker.Gestern gab es z.B. Weckmann mit Hagelzucker.Glaube,in USA muss man echt mit dem Essen aufpassen.
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