Text 1

Oder wo sich unsere Familie sonst noch rumtreibt !

Mittwoch, 1. Juni 2011

Der Mittlere Westen - Kansas und Missouri

Freitag, der 27.05.2011

Barbara hat heute ihren Termin mit einer Professorin an der Wichita State University. Wir verknüpfen ja gerne das Angenehme mit dem Nützlichen. Hier werden Projekte zur Beschreibung von Energie- und Materialströmen in Fertigungsprozessen (Unit Process Life Cycle Inventory, UPLCI) und Lebenszyklusbetrachtung von Windrädern behandelt. Überhaupt fällt auf, dass es im Mittleren Westen kaum Windräder zu sehen gibt, obwohl hier sehr oft starke Winde herrschen. In den USA gibt es ein deutliches Potential zur Nutzung der Windkraft.

Kira und Kim spielen auf dem Campusgelände.
Während Barbara einen indischen Postdoc kennenlernt, bekommen Kira und Kim Baseball-Bälle und einen –Schläger geschenkt. Das Maskottchen der State University ist der Wheat Shocker (ein Bündel Weizenhalme mit Gesicht) und die Farben sind Schwarz-Gelb. Danach essen wir gemeinsam Wraps, Yogurt und Fruchtstücke von einem Kiosk. Alle anderen Restaurants auf dem Campus haben wegen der Sommerpause geschlossen. Das Essen ist untypisch, da im Mittleren Westen eigentlich alles frittiert sein soll. Die Professorin und ich lassen Andor und die Kids in der Bibliothek, wo sie so tun, als würden sie am Computer arbeiten. Ich lerne über ein Projekt zur Instandhaltung von Windrädern.


Die originale Pizza Hut auf dem Campus der WSU.
Andor verbringt die Zeit mit den Kindern draußen  - Die Sonne kommt hervor. Am Golfplatz spielen die Kinder in einer Sandgrube, Andor steht mit der Harke daneben. Der Bunker ist so in einem Hügel platziert, dass die Golfer nur Andy mit der Harke sehen und ihn freundlich grüßen. Gegen 15 Uhr verlassen wir den Campus und machen uns auf den Weg nach Topeka. Andy und die Mädchen sind total platt von all der Sonne und der Toberei und schlafen tief und fest im Auto. Ich genieße das platte Prärieland, dem einzigen Teil der USA, der in seinem Ursprungszustand bewahrt wurde. In den ausgezeichneten Reservationen dürfen wegen Landschaftsschutz nicht mal Windräder installiert werden. Langsam zieht auch Regen auf. Die Gegend erinnert sehr an die Jülicher Börde – flache Felder und vereinzelte Wäldchen.

Dieses Bild ist keine Seltenheit. Fast alle Biker sind mit Shirts, Jeanshosen und ohne Helm unterwegs, und das trotz einem Tempo von 65 Meilen die Stunde. Neben der Tatsache, dass fast die Hälfte der Autofahrer nicht angeschnallt ist, mit ein Grund, weshalb so viele Menschen in den USA auf der Straße ihren Tot finden.
Wir nähern uns dem Überschwemmungsgbiet am Missouri River.
Es wird diesig. Typisches Tornadowetter.
Auf der Interstate 335 bei Topeka herrscht Tollpflicht. Wir zahlen 4 Dollar und 75 Cent.
Und erreichen letzten Endes das Capital of Kansas.
Am Capitol wird gebaut.
Man ist sehr stolz darauf, dass das Gebäude 10 Fuss höher ist als das in Washington, DC.
Barbara will Pancake essen und findet via Handy ein nahgelegenes Diner.
Leider ist es verschlossen und verweist.
Topeka, die Hauptstadt von Kansas, ist so unspektakulär, dass auch die Hotelfrau nicht viel sagen kann. Sie rät zum Besuch des gestern eröffneten Jahrmarkts, sowie zum Zoo- und zum Seebesuch.  Im Walmart kaufen wir Badesachen für Andor und Kira, die dann endlich mal einen Indoor-Swimmingpool im Hotel genießen können.




Samstag, der 28.05.2011

Wieder kein Frühstück im Hotel, sondern Donuts von der Tanke. Ich frage, ob man unsere Kaffee-Mugs auffüllen kann und werde direkt gefragt, wo ich herkomme. Andy und ich haben ja schon gelernt, dass „California“ nicht die Antwort ist, die die Leute hören wollen, sondern „Germany, now at Berkeley in California“.  Der Mann hinter der Tankstellentheke vergleicht meinen Dialekt mit dem vom früheren Governor Arnie Schwarzenegger: „He got himself into trouble – hehehe.“ (Das uneheliche Kind von Arnie ist ein wichtiges Thema hier, auch in Kansas) Wir quasseln noch über die Route 66, sein Baby (= Motorrad) und Tornadoschaden-Tourismus. Joplin im Bundesstaat Missouri, wo ein Tornado dreizehn Todesopfer gefordert hat, liegt nur ca. 150 Meilen südöstlich unserer Route.

Auf der I-70 geht’s nach Kansas City. Auch hier gibt’s nicht allzu viele Besonderheiten, daher fahren wir ins Hallmark-Visitorcenter, das sich voll und ganz der Geschichte dieses großen Grußkarten-Konzerns widmet. Wir melden uns nicht für einen der Bastelkurse an, sondern gehen durch die kinderfreundliche Ausstellung. Kira und Kim sammeln Stempel und bekommen Geschenkschleifchen, die eine tolle Maschine direkt vor unseren Augen flechtet. Die ganze Fertigungstechnik mit Magnesium-Gesenkformen und –Stempeln wird toll erklärt, so dass man die Kunst hinter den Karten versteht.

Dann gehen wir ins angrenzende Shoppingcenter mit ausgefallenen Läden (Chocolate-Fabrik, Souvenirshops, …) Kim tapst durch die Flure und da sie dafür sehr lange benötigt sagt eine Amerikanerin: „She is already window shopping.“ Die Kinder erfreuen sich an einer Ausstellung zum Regenwald.




Kansas City ist eine Doppelstadt zwischen Kansas und Missouri. Leider verpassen wir das Missouri-Schild auf dem Missouri-River.
Wir sehen immer mehr Waffle Houses an den Straßen. Am Nachmittag kehren wir in einem ein und nehmen Menüs mit Waffel oder Eiern, Rosinen-Toast und Hashbrowns (Kartoffelpuffern). Dazu gibt es Apfelmus-Aufstrich. Alles sehr süß hier im Mittleren Westen! Weil wir nicht wissen, was grits sind, gibt uns die Bedienung eine Kostprobe. Grit scheinen kleine herzhafte Pfannkuchen unter einer dicken, salzigen Mehlschwitze zu sein. Wird wohl nicht unsere Leibspeise. Andy spielt Lieder an der Jukebox: Hotel California und den Waffle Family Song No. 1, eine Lobpreisung über das Waffel House. Ich wähle Shania Twain. Andor zieht Great Balls of Fire den Alben von Johnny Cash, Elvis, Dolly Parton und lokalen Country-Größen vor.



Irgendwo passieren wir das einzige World War I-Memorial der USA.  Wir passieren auch  Vienna, Warsaw, Salisbury, Mexico, California, Brunswick und Lebanon.
Gegen 6 Uhr kommen wir in St. Louis an, einer weiteren Doppelstadt über zwei Staaten. Der Mississippi teilt St. Louis in den Missouri- und Illinois-Teil. Ganz verregnet sehen wir das Wahrzeichen der Stadt, den 192 m hohen Arch, der das Tor zum Westen symbolisiert. Für die Siedler war die Stadt früher der Ausgangspunkt zur Besiedlung der westlichen Landesteile.

Die Brücke über den Mississippi River.

Der 'Arch' symbolisiert das Tor zum Westen. St. Louis war lange Zeit (mit Ausnahme von San Francisco) die westlichste Metropole der USA. Dahinter fing der 'Wilde Westen' mit seinen weiten Steppen an.

Übers Handy findet Babs ein relativ preiswertes Inn nahe der italienischen Gegend „The Hill“. Das „Red Roof Inn“ ist allerdings wegen des bevorstehenden Memorial Day angeblich gut frequentiert, so dass wir inklusive Steuern doch auf 100 Dollar kommen. Das Zimmer ist das kleinste bisher, so dass wir noch nicht mal Platz für Kims Reisebett haben. Zum ersten Mal gibt es auch weder eine Kaffeemaschine noch eine Mikrowelle noch einen Kühlschrank.  Kira und Kim laufen barfuß mehrere Kilometer auf dem Balkonflur um das Inn herum, bevor sie sich baden lassen und wir den Abend mit Blog Schreiben, Vortrag fertig machen und Fernsehen ausklingen lassen.












"Cupcakes are sublime" sagt Kira immer.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen