Der Mittwoch begann mit Skype und Kira Duschen. Um 10 Uhr hatte ich mein Treffen mit Maria, die von der Mechanical Engineering Faculty für Visiting Scholars zuständig ist. Auf dem Professorenflur in der Etcheverry Hall war Andor so erfreut über die Aushänge und Türschilder, dass er sie zu meiner Verlegenheit mit der Kamera im Bild festhielt. Ich muss auch zugeben, dass „Professor for This and That“ zwischen all den Profs für Theoretical Mechanics und Applied Mathematics hübsch ironisch wirkt. Und das Austauschprogramm für Graduates an der RWTH Aachen schmeichelt uns natürlich auch.
Maria stürzte sich direkt auf die Digitalkamera und erklärte uns, dass ihre Kamera nahezu ein Appendix von ihr wäre. Zur Bestätigung zog sie direkt eine Canon-Kamera ähnlichen Modells wie unsere aus der Schublade. Organisatorisch konnten wir noch nicht viel besprechen –sie muss unsere Ankunft melden. Nicht alle temporären Besucher scheinen soviel Vorlaufzeit wie wir einzuplanen, weshalb manche Work Flows wie Anmeldung im Uni-Internet, Schlüsselvergabe fürs Labor, Beratungsgespräch im International House, etc. erst später um mein Startdatum herum, den 15.11., beginnen. Marias Büro im 6. Stockwerk hat einen unglaublichen Ausblick auf die SF Bay – bei dem schönen Wetter konnte man von Oakland über San Francisco und die Golden Gate Bridge bis Sausalito alles sehen. Kim und Kira verbrachten die meiste Zeit des Treffens am bodentiefen Fenster, schauten hinaus und rumpelten an der Plastikabdeckung.
Ein absolutes Highlight war, dass Maria uns aufs Dach mitnahm und einige Fotos von uns vor der Bay machte. Kira erschwerte die Sache etwas mit ihrem Bewegungsdrang, da Andor sie jagen und einfangen musste.
Nach einem Mittagessen beim Vietnamesen machten wir uns auf zur Betreuungsstelle für das Student Housing.
Mit einer Application Fee von 25 $ und dem Bestätigungsschreiben von Maria über meine Position konnten wir uns dort bei CalRentals anmelden – einer Wohnungssuche nur für Universitätsangehörige. Mit demAusdruck der Ergebnisliste auf 10 Seiten zog ich böse Blicke aus der Reception auf mich – ich hatte das Schild „Reduce your waste - Please print only 5 pages“ übersehen. Hier versucht man an allen Ecken die Leute zum Umweltbewusstsein zu erziehen – eine Entwicklung, in der wir in Deutschland schon mindestens 10 Jahre voraus sind.
Da die Kinder langsam müde wurden, beschlossen wir, ein wenig durch die verschiedenen Neighborhoods zu cruisen. Andor ist total begeistert von dem ruhigen, vorausschauenden Fahrstil der Amerikaner, bei dem man langsam an Kreuzungen heranfährt und höflich nach der Reihenfolge des Ankommens durchlässt.
Die Wohnqualität der Amerikaner soll sich sehr stark nach der Nachbarschaft richten. Dementsprechend sind auch die Preise in tollen Wohnlagen deutlich höher als in den verkommeneren Gegenden. Die angebotenen Apartments waren meistens recht genau adressiert, so dass wir einige Wohnkomplexe anfahren und von außen besichtigen konnten. Wir kurvten durch verschieden schöne Nachbarschaften, aber waren noch nicht direkt begeistert.
Am späten Nachmittag war ich erschöpft von der Kartenleserei. Obwohl das Rechteckmuster die Ortssuche ziemlich erleichtert, hatte ich Andor manchmal in die falsche Straße geschickt. In der El Cerrito Mall konnten wir endlich in größeren Gebinden einkaufen. Das InDoor-Mall-Feeling konnte sich hier allerdings nicht einstellen, da die Mall zu klein war. Die Bay Area ist nunmal verbauter als der meiste Rest Amerikas.
Bei „Jack in the Box“ aßen wir wieder Finger Food zum Abendessen. Wie fast überall gab es hier auch „breakfast all day“, weshalb Andor sich ein Bacon-Cheese-Sandwich gönnte. Im Gegensatz zu unserem favorisierten Giant Burger Restaurant gab es hier nur abgeschlossene Toiletten, die man mit einem Token vom Counter öffnen konnte, und die Weisung, nicht länger als 30 min herumzusitzen, was beides auch wieder auf die schlechtere Neighborhood zurückzuführen war.
Mit den Resten des Essens und meinem Pumpkin-Spice-Egg Nog begaben wir uns wieder ins Hotel und schauten das erste Baseball-Spiel SF Giants gegen Texas Rangers der World Series. Die SF Giants gewannen 11:7 nach 9 Innings.
Am Donnerstag schliefen alle etwas länger bis 7.30 Uhr. Nur ich werde immer um 5 Uhr oder früher wach. Das Hotel liegt aber auch an der Hauptstraße University Ave, weshalb man die Autos vorbeidüsen hört und die Lichter durch den nicht verschließbaren Gardinenspalt sieht. Wir wollten nun Wohnungen besichtigen, aber eine Mail von Genia, der Student Family Housing Betreuerin, änderte den Plan. Sie bot uns ab dem 5. November eine 3 bedroom, 1 bath, 1st floor (= ebenerdig) Wohnung an. So viele Räume findet man hier kaum und schon gar nicht für den unschlagbaren Preis von 1850 $ inklusive Wasser, Gas, Strom, Internet, Kabel, etc. Wir riefen direkt an und vereinbarten einen Besichtigungstermin im UC Village um 11 Uhr. Andor war sofort von der Wohnung überzeugt. Im UC Village und wieder zurück in der Student Housing Abteilung war man sich dann nicht ganz einig, wie schnell wir doch früher einziehen könnten. Zumindest unsere derzeitige Wohnsituation im Hotel schien alle zu rühren und eine schnelle Abwicklung zu begründen. Ich hinterließ die neue Telefonnummer, damit wir bis 15 Uhr eine neue Statusmeldung bekämen.
Zu Mittag aßen wir im Veggie Food Shop Maoz, wo man sich Falafel-Pitas mit allem Möglichen selber belegen konnte. Andor und die Kids hatten ihre erste Süßkartoffel-Erfahrung. Da das Wetter noch schön war, fuhren wir auf die Hügel in den Tilden Park, einen großen Wald mit vielen Freizeitangeboten wie Picknick-Plätze, einem Karussell, einem Streichelzoo, etc. An der Lawrence Hall hielten wir an, um den berühmten Webcam-Blick einzufangen, den wir schon über ein Jahr aus dem fernen Deutschland heraus genossen haben.
Auf einem Spielplatz mit Kletterfelsen tobten Kira und Kim sich aus. Kurz vor 15 Uhr merkte ich dann, dass wir kein Netz hatten, weshalb wir die Kinder unter Protest einpacken mussten und über den Berg nach Berkeley fuhren.
Genia und Katelyn vom Student Housing Department hatten allerdings keine Infos für uns. Da Kira und Kim noch voller Energie waren, fuhren wir einen zweiten Spielplatz in der edlen Hanglage der Berkeley Hills an. Dort spielte Kira mit noch mehr Kindern im Sand und auf der Rutsche, die den Spielplatz auf zwei Etagen miteinander verband. Andor rutschte sich mit Kim ein Loch in die Jeans-Tasche.
Zwei Messages auf meiner Mailbox machten mich neugierig, aber ich konnte die Mehrtonwahl zur Passwortfestlegung nicht einschalten. Das ging erst zuhause im Hotel – eine Nachricht verlegte unseren Einzugstermin auf Dienstag vor, die zweite dann schon auf morgen. Ein Glück, dass ich noch mit der Verlängerung unseres Hotelaufenthalts um eine Nacht gewartet habe. Unseren günstigen Internettarif gab es nämlich nicht mehr, so dass wir für den Wochenendtarif 119 $ bezahlt hätten.
Jetzt müssen wir nur noch die Logistik klären: Wie kriegen wir so viel Gepäck und so viele Leute zum University Village mit einem so kleinen Mid Size Auto wie dem Chevrolet Impala? Und das unter den verschärften Bedingungen, dass wir den Schlüssel nach 12 Uhr bekommen, aber das Zimmer bis 12 Uhr verlassen müssen… Und wie schnell kriegen wir neue Betten für die unmöblierte Wohnung? Zumindest die Küche ist ´drin, so dass wir endlich Kiras Kakao in großen Mengen kaufen und kaltstellen können…
Immerhin: Die Giants gewinnen auch das zweite Heimspiel gegen Texas, diesmal deutlich souveräner mit 9:0 nach nur 7 Innings.
hey, freut mich, dass das mit der richtigen wohnung scheinbar so schnell und gut läuft. für länger im motel zu wohnen ist ja nicht das wahre.
AntwortenLöschenund offensichtlich haben euch die vielen nachmittag am dukes-field gut für euren amerika trip vorbereitet! :)
Prima,dass Ihr jetzt ne Wohnung habt,denn so aus dem Koffer zuleben auf beengtem Raum mit den Kids ist ja echt nervenaufreibend.Und in der UC Village ist es für die Kids ja auch besser.
AntwortenLöschenNine meint,Ihr solltet nicht so viel Fast Food essen,sonst würdet Ihr nachher nicht mehr in den Sitz reinpassen.Ausserdem wünscht sie Kira und Kim alles Gute in Amerika.