Am Freitag, den 18. März sehen wir den ersten intensiven Hagel in der Bay Area. In kurzer Zeit sind die Wege und Straßen weiß bedeckt. Der südamerikanische Nachbar bedeckt sogar seinen neuen Van mit Decken. Als ihm am nächsten Tag eine neue Matratze geliefert wird, witzeln wir, dass er seine eigene nachts auch aufs Auto gelegt hat.
Das amerikanische Müllsystem ist noch undurchschaubarer als das deutsche und von Staat zu Staat unterschiedlich. So richtig weiß keiner, wo man Glas- und Plastikflaschen oder Bierdosen entsorgen kann. Auf den meisten Etiketten steht “5ct CRV” oder “10ct CRV” - Das heißt, wir haben schon 5 oder 10 ct California Refund Value beim Einkauf bezahlt. Andor sammelt über mehrere Wochen in der Küche die ganzen Gallonen-Plastikflaschen, Budweiser-Bierdosen und ein paar Glasflaschen. Die Oberschränke stehen voll, da Kim sonst alles in ihrer Reichweite herumschleppt oder sogar die Reste austrinken will. Sonntags packen wir das Auto voll und fahren zum Recyclinghof um die Ecke. Tim erzählt uns später, dass der Berkeley-Recyclinghof in den 70er oder 80er Jahren der erste USA-weit gewesen wäre. Auf dem Weg überholen wir mehrere Burglars, die mit Pfand-Müll vollgepackte Einkaufswagen schieben. Andor sortiert die Flaschen und Dosen auf mehrere Bänder, die alles an automatischen Zähleinrichtungen vorbeiführen. Am Ende erhält er einen Verrechnungsscheck über 3,43 Dollar.
Ich bin total verwundert, als Kira akribisch “USA” vorwärts und rückwärts auf mehrere Blätter schreibt. Andor klärt mich auf, dass sie das in der Pre-School lernt. “Deutschland” ist ja auch viel zu lang und so werden Kira und die anderen ausländischen Kindergartenkinder schon früh integriert.
Am Montag gehen wir in ein Bastelgeschäft, in dem schon viele Ostersachen reduziert sind. Kira ist ganz aufgeregt und will alle möglichen Bastel- und Malsachen haben. Wir verlassen das Geschäft mit den Bügelflicken, die unser Hauptanliegen waren, mit bemalbaren Vogelhäuschen, bemalbaren Sunlight-Catchern, Perlenkettenequipment, Hängedeko fürs Patio und Plastik-Ostereiern. Die Ostereier kann man aufklappen und befüllen - wir ziehen Fäden durch und schmücken unseren kleinen Weihnachtsbaum auf dem Patio. Kira fragt seitdem täglich nach dem Oster-Rabbit, den sie von einer Winnie Puh DVD kennt. Und Conni mit der Schleife im Haar (die aus dem Kinderbuch ;-)) bemalt ja auch Ostereier.
Ich lese mich in das amerikanische Steuersystem ein. Mit Deutschland hat die USA ein Doppelbesteuerungsabkommen, dass nur in einem Land besteuert werden darf. Aber der kalifornische Bundesstaat hat nochmal eigene Regeln und besteuert auch das Einkommen, das man in einem anderen Land erzielt hat, während man kalifonischer Bürger ist. Das kalifornische Steuerhandbuch ist in guter alter Adventure-Manier geschrieben. Wenn Fall 1 zutrifft, gehe zu Seite 3, Punkt 2; wenn nicht, lies weiter unter Punkt 2.
Ich habe schon den Unterschied zwischen einem Married Couple, das gemeinsam die Steuererklärung schreibt, und dem Head of Household gelernt... Letzterer wohnt nicht mit allen seinen Familienangehörigen zusammen. Für das Jahr 2010 sind wir glücklicherweise noch Non-Residents, weshalb die Workshops vom International Office gut passen. Der nächste Workshop findet am 5.4. statt - noch rechtzeitig vor dem Steuerstichtag, dem 18.4.
Ob sich unser Status für 2011 ändert, muss ich noch herausfinden, da die Begrenztheit des Aufenthalts eine Rolle spielt, aber auch, wo die Familienangehörigen leben, wo die Fahrerlaubnis ausgestellt wurde und ob man eine Social Security Number beantragt hat.
An einem Tag erfährt Andor von der Betreuerin Simone, dass Kira einem Mädchen die Zunge ‘rausgestreckt hat. Kira meint aber, sie hätte nur Katze gespielt. Ob das schon interkulturelle Konflikte sind?
Es gibt nämlich zwei "liebe Mädchen" und ein "böses Mädchen", mit denen sie im Kindergarten spielt.
Am Mittwoch Vormittag kommen Tim und Cole zu Besuch. Kira ist total wild und aufgeregt: “Cole ist mein Freund”. Cole findet Kira’s Spielzeug toll, aber am schönsten ist der Besen auf dem Patio, mit dem Andor nur ein paar Blätter wegkehren wollte, damit die Kleinen mit Kreide malen können.
Kira verabschiedet sich übrigens schon mit “See you later” aus der Pre-School. Und "no no no" kriegt Kim auch öfter zu hören.
Am Donnerstag wollen wir zur Lawrence Hall of Science, einem Hands-On-Wissenschaftsmuseum. Auf dem Weg dorthin in die Berkely Hills bewundern wir schon die überfluteten Abflussrinnen und Riesenpfützen auf der Straße. Angekommen regnet es dann leider so stark, so dass wir vor der Lawrence Hall im Auto sitzen bleiben und uns nicht trauen, 200 m inklusive Parkticket Ziehen zum Eingang zu laufen. Andor und ich haben keine Lust auf pitschnasse Sachen, Kim döst vor sich hin und hat keine Meinung dazu, nur Kira will unbedingt in die Sintflut hinaus. Wir warten 10 min und fahren dann wieder den Berg hinunter. Der Regen wird weniger, aber wir kehren nicht mehr um sondern fahren beim Costco einkaufen. Costco nimmt übrigens unsere Visa-Kreditkarten nicht, sondern nur American Express Kreditkarten, die sie auch promoten.
Am Freitag, den 25.März wird Cesar Chevaz mit einem Holiday an der UC geehrt. Er hatte sich für Latino-Rechte und die Wertschätzung des lateinamerikanischen Erbes eingesetzt.
Nachmittags erfahre ich, dass Kira auch schon Chinesisch in der Preschool lernt. Die Betreuerin freut sich, dass sich Kira sogar schon gemeldet hat. Ein Wort hört sich an wie “Papa” - das findet sie besonders toll.
Am Samstag will ich endlich nochmal ins Schwimmbad planschen gehen. Allerdings scheinen die Amerikaner keine Freunde des überdachten Schwimmbads zu sein. Es gibt viele Outdoor-Pools (und immerhin oft beheizt), aber einen Indoor-Pool für Toddler findet man selten. Immer, wenn ich von einem Funbad mit Palmen und Rutschen erzähle, bekommen die Bay-Bewohner große Augen und wundern sich: "Das gibt es?" Hier gibt es wohl auch Funbäder, aber nur für den Sommer und selbst dann wird gewarnt, dass man keinen windigen Tag erwischen sollte.
Wir fahren nach mehreren Tipps aus dem PRAM (Andors Montagsgruppe) ins nahe gelegene Natatorium in Point Richmond. Das Gebäude und die Einrichtung ist "historisch", wahrscheinlich aus den 50er Jahren. Der Eintritt kostet für uns Vier ganze 20 Dollar, die uns auf viel Spaß hoffen lassen. Familienumkleiden gibt es nicht, so teilen wir Kira und Kim zwischen uns auf. Im Bad die Enttäuschung - es gibt nur eine große karge Schwimmfläche mit stetig steigender Tiefe. Die Kleinkind-Planschzone ist ganze 2 Fuß tief, nicht 2 inch, wie ich gehört hatte. Somit kann Kim nicht stehen und klammert sich an Papa. Die "Schwimm-Nudeln" am Beckenrand muss ich wieder zurücklegen; auch den Aufblasball, den wir mitgebracht haben, dürfen wir nicht benutzen. Kira darf sich nicht an meinen Schultern festhalten und durchs Wasser tragen lassen. Kim ist müde und ihr wird bald kalt. Kira möchte zwar länger planschen, hat aber auch schon blaue Lippen, so dass wir nach 40 min wieder in die Umkleiden gehen.
Meine letzte Hoffnung auf einen schönen Schwimmbad-Aufenthalt setze ich auf den Aquatic-Park in Newark... Ich glaube allerdings, dass ich mir vorher noch einen Badeanzug zulegen sollte statt den Bikini zu benutzen. Die General Pool Rules besagen: Bathing suits must be worn at all times by all patrons using the facility.
Die Amis sind ja etwas seltsam in diesen Dingen... Viele der Kinder im Natatorium haben Ganzkörperbadeanzüge mit langen Armen getragen. Es waren noch nicht einmal Neoprenanzüge, die warmhalten. Kim haben wir vorausschauenderweise ein T-Shirt-Kleid über die Schwimmwindeln gezogen, um keinen Rüffel zu bekommen. Und Andi hat sich Boxershorts über die Speedos gezogen, um nicht aufzufallen.
Und zum Abschluss noch ein paar Babyfotos von Andor, die Opa Manfred digitalisiert und geschickt hat. Sehen sich Klein-Andi und Klein-Kim nicht ähnlich?
Hmmmm...
AntwortenLöschenIch glaube mit "Bathing Suits" ist gemeint, dass man "Badesachen" tragen soll - also nicht nackt, nicht in Jeans schwimmen oder was einem sonst so einfallen könnte; von daher düften Bikilikinis wohl zugelassen sein... aber sicher ist sicher ;-)
Oha... soviel zur NutzerID, wenn man ein AIM Profil auswählt
AntwortenLöschenBB
Armin
Wie gut ,dass wir Funbäder haben,die auch überdacht sind.Da sind die Amis doch sehr hinterwäldlerisch.
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