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Oder wo sich unsere Familie sonst noch rumtreibt !

Montag, 7. Februar 2011

DMV, Anjali, Superbowl ...

Aachen gegen Bayern München sehen wir als Internet Livestream via. russischem Server, da der ARD Server gnadenlos überlastet ist und pünktlich zur Liveübetragung der Connect abbricht. Wir hätten das Spiel auf dem Beamer schauen können, allerdings kennt man ja die bescheidene Bildqualität beim Livestream, daher schauen wir das Spiel am Rechner im Flur mit ein paar Bier.
Das Spiel geht leider 0:4 verloren ... was schade ist, konnte die Alemannia ja die letzten drei Spiele gegen die Bayern auf dem (noch alten) Tivolie gewinnen.

Am  Donnerstag Morgen fährt die ganze Familie nach El Cerrito zum örtlichen DMV, dem ‚Department of Motor Vehicles‘, das US-Pendant zum Straßenverkehrsamt. Den Termin hatten wir uns bereits vor über zwei Wochen geben lassen. Wir gehen direkt zum Schalter, da wir ein ‚Appointment‘ haben geben das DL-44 ab (eine Form, die ich einige Tage vorher dort abgeholt hatte und die wir gestern ausfüllten), ziehen eine Nummer und warten.
Meine Nummer wird als erstes aufgerufen und ich begebe mich zum Schalter 01. Dort erkläre ich mein Anliegen, gebe Reisepass und Führerschein ab … und dann bekomme ich folgende Aussage zu hören: Die Nummer im Reisepass, die ich habe sei nur 10 stellig. Ich könne so keine Drivers Licence (DL) beantragen und müsse mir beim Buro of Homeland Security eine neue Nummer geben lassen.
Ich vergleiche meinen Reisepass mit dem von Barbara. Auch sie hat nur eine 10 stellige Nummer. Als Babs zu einem der Schalter gerufen wird, versuchen wir den Sachverhalt noch einmal zu klären. Plötzlich ist alles wieder kein größeres Problem und wir beide bekommen einen Zettel, mit dem wir die theoretische Führerscheinprüfung ablegen können. Da einer von uns auf die Kinder aufpassen muss und Barbara keine Lust zu haben scheint, sich heute prüfen zu lassen, stelle ich mich an in eine Schlange an, lasse mir von einer Angestellten den Bogen geben, schnappe mir einen Bleistift und setze mich in eine der ca. 20 Boxen um den Test abzuarbeiten.

Dieser besteht aus 36 Fragen zu den Verkehrsregeln. Drei Antwortmöglichkeiten werden vorgegeben, von denen nur eine richtig ist. Einige Fragen kann man eigentlich mit bloßen Menschenverstand beantworten, wie z.B.: Wann darf man links in eine Einbahnstraße abbiegen? Wenn der kreuzende Verkehr nach links fließt, nach rechts fließt, oder unter keinen Umständen. Die meisten Fragen setzen allerdings auch Wissen voraus, z.B. die bestehenden Alkoholgrenzwerte, Speedlimits, was die Farben an den Bordsteinrändern bedeuten usw. Es gibt sogar Fragen, die im Grunde nichts mit dem Führen eines KfZ zu tun haben, z.B., wie lange man in den Knast geht, wenn man unter THC Einfluss in eine Verkehrskontrolle gerät, oder wie teuer ein Ticket wird, wenn man 10 Meilen zu schnell unterwegs ist.

Naja, diese Fragen wurden dennoch im Drivers Handbook erörtert, und ich denke, hier sollen besonders junge Menschen dazu ermahnt werden, sich an die Verkehrsregeln zu halten … Das ist halt sehr amerikanisch: „Don’t Steal, you can be locked up in jail for 1 year“ ist halt ermahnender als „Stehlen ist böse“ ;)
Naja, wie auch immer, nach 25 Minuten gebe ich den Zettel ab. Die Frau am Schalter bittet mich in der Schlange zu warten, wertet den Testbogen aus, tippt etwas in ihren Computer ein, ruft mich zu sich und sagt, das ich bestanden hätte. Sie übergibt mir die vorläufige Fahrerlaubnis. Diese ist 60 Tage gültig und ich müsse mich online nun noch für den praktischen Test anmelden.
Da wurde mir auch klar, wie die Amerikaner den scheinbaren Widerspruch: Keine DL ohne eigenes angemeldetes Auto (bzw. Versicherung, wenn man das Auto eines anderen Mitbenutzt) weil man dieses für den praktischen Test benötigt und keine Versicherung ohne gültige DL löst.
Die jungen Amerikaner machen also erst den theoretischen Test, mit der vorläufigen DL kann man sich einen Wagen kaufen und versichern, bzw. sich als Mitbenutzer des elterlichen Wagens bei der Versicherung eintragen lassen, und dann erst können sie (bis zu 60 Tage danach) den praktischen Teil bestehen um die endgültige DL zu erhalten. Was den Probanden auch zwei Monate Zeit zum Üben lässt.
Babs und die Kinder waren derzeit draußen spielen und haben Donuts gekauft. Wir machen Schichtwechsel. Babs hat etwas Bammel vor der theoretischen Prüfung, da sie nicht mal die komplette Drivers Guide durchgelesen hat und nur am Vorabend einige Onlinetest gemacht hat. Ich überrede sie trotzdem dazu, den Test zu machen. Der Test darf beliebig oft und bis zu dreimal am Tag wiederholt werden, jeder Versuch ist kostenfrei (wenn man in der Praktischen durchfällt, kostet es aber immer 8 US$) und da wir ja schon mal hier sind, geht uns auch keine Zeit flöten.
Also macht sich Babs auf, um nun ihrerseits den Kabinen des DMV einen Besuch abzustatten und hat ca. eine halben Stunde später auch bestanden und die vorläufige DL in der Tasche. Kira und Kim haben sich mittlerweile mit Fruchtfüllungen aus diversen Donuts und Sand aus der Kuhle eines unter der Bart-trail gelegenen Spielplatzes komplett eingesa … a… andet  und so fahren wir gut gelaunt wieder nach Hause, da eine weitere Kuh vom Eis ist.


Am Freitag morgen rufe ich Robin in Koslar an, da es sein Geburtstag ist. Bei ihm war es natürlich dann schon später Nachmittag. Dank Internet konnten wir ihm ein Geschenk von einem deutschen Versender zusenden und müssen keine zig Euros für eine Paketsendung berappen. Nochmal alles Gute zum Geburtstag!

Heute ist auch Kiras dritter Tag in der Preeschool, und der 1te, an der sie alleine ohne Eltern sein muss. Da es letztes Mal leider zu Komplikationen kam, bleiben Kim und ich zuhause. Babs kommt von der Arbeit angeradelt und bringt Kira zur Schule. Angeblich weint sie zwar ca. 25 (sehr sehr lange) Minuten, hat sich aber dann mit der Situation wohl abgefunden. Wir bekommen den Vorschlag, am Montag gleich noch mal zu kommen, damit sich Kira schneller eingewöhnt.

Ich bin da zuversichtlich, weil Kira ja in D. bereits zum Flohzirkus gegangen ist und das ja eigentlich kennt. Aber die fremde Umgebung und vor allem die Sprachbarriere machen ihr wohl immer noch Angst.

Am späten Nachmittag holen wir Anjali von der North-Berkeley Bart Station ab. Zu fünft (drei vorne, zwei hinten) geht’s dann mit dem Lincoln nach Hause. Die Kinder freuen sich, da Anjali noch so einige Weihnachtsgeschenke aus D. dabei hat. U.a. welche von Conny und Tom, die via Skype zumindest ‚virtuell‘ dabei sind.
Vielen Dank an dieser Stelle für den schönen Kalender mit Bildern aus der alten Heimat!!!
Für die nächsten Tage wird Anjali als Gastschreiber unseren Block weiterführen. Daher nur noch eine Randnotiz:

Am Sonntag gewinnen die Green Bay Packers in Arlington, TX gegen die Pittsburgh Steelers den Superbowl und damit ihren vierten Titel. Das Spiel selber läuft leider nur im PayTV live, so dass wir lediglich Audiokommentare haben.

Der Schirm liefert nur Statistiken, wo die Teams gerade stehe, im wievielten Versuch sich das angreifende Team sich befindet, wie viel Zeit noch ist usw. Die Packers gehen frühzeitig weit in Führung, ich glaube mit 21 zu 3, lassen aber die Steelers in der zweiten Hälfte wieder bis auf drei Punkte ran kommen. Das Spiel bleibt bis in die letzten Minuten hin spannend, bis den Packers etwa 1 Minute vor Schluss noch ein Touchdown gelingt und den Steelers nicht mehr genug Zeit bleibt den nun folgenden eigenen Angriff noch in Punkte umzumünzen.

Das Spiel endet 31 zu 25 für die Packers.

Das Wichtigste zum Schluss: Kim hat das Krabbeln scheinbar entgültig aufgegeben. Sie steht und geht nun zu jeder sich bietenden Gelegenheit, ob zu Hause, auf dem Spielplatz oder Auswärts. Selbst wenn wir mit ihr im Kinderwagen spazieren gehen, will sie raus und an der Hand geleitet (oder freihändig) mitlaufen. Allerdings leider nie dort hin, wo wir hin wollen ;)

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