Am Silvester-Wochenende kurieren wir die Erkältungen vom Südkalifornien-Trip aus. Das vernieselte Silvester-Mitternachts-Feuerwerk schauen wir im Fernsehen an. Im UC Village sind Feuerwerkskörper eh nicht erlaubt, und San Francisco feuert eine coole 15 min Show am Hafen ab. „Live“ kommt im Fernsehen auch der Countdown in New York – will nicht wissen, wie viele Leute das für echt live halten. In Deutschland hat man wenigstens Laufbänder, dass das Gezeigte vor 3 Stunden live war.
Am Montag kommt unsere zurückgehaltene Post an – Das Weihnachtspaket aus Aurich ist dabei und die erste meiner Boxen mit Arbeitsbüchern aus Aachen. Das Fotobuch unseres Blogs im ersten Amerika-Monat ist besonders eindrucksvoll. Im Laufe der Woche kommen auch noch Päckchen aus Aldenhoven an. Eine Weihnachtstischdecke und Kinderschürzen bringen den Ahrweiler-Weihnachtsmarkt zu uns. Die Kinder sind außer sich vor Freude über die vielen Geschenke und packen alle Päckchen begeistert aus. Vielen Dank euch allen!
Am Sonntag Abend kaufen wir über Craigslist, das ist das amerikanische Ebay, ein gebrauchtes Damen-Fahrrad. Es ist sogar noch ungenutzt, aber muss noch mit Gepäckträger und Beleuchtung aufgerüstet werden. Am Dienstag quäle ich mich zur Etcheverry Hall, was mit aufgepumpten Reifen sicher besser funktioniert hätte. Google Maps gibt sogar eine optimale Fahrradroute an – über den Ohlone Greenway und Bicycle-Boulevards, die z.T. extra Fahrradstreifen haben. Im Fahrradshop lasse ich mir Equipment aufschwatzen, das den Wert meines Fahrrads übersteigt. Das Fahrradschloss für 40 $ soll wohl eine wichtige Investition sein. Im Labor gibt es sogar 4 bike racks, um die Räder an die Wand zu hängen. Diese Woche sind sogar 10 neue racks angekommen, weil so viele Lab-Studenten und -doktoranden mit dem Rad kommen. Im Laufe der Woche schlagen wir Andor und ich uns mit der Gepäckträgermontage und dem Reifendruck herum. Die Autoluftpumpe ist defekt und die neue mobile Fahrradpumpe ist konträr zu deutschen Systemen designt. Ein waagerechter Verschluss arretiert und ein geknickter lässt die ganze Luft aus dem Reifen…
Eine neue deutsche Doktorandin ist für 3 Monate hier und wundert sich über die fehlende offizielle Einführung ins Institut. Ich habe schon ein wenig kalifornische Gelassenheit getankt und finde die Selbstbestimmung hier sehr angenehm. Die Diskussionen rufen die ganzen Behördenkämpfe auch wieder ins Gedächtnis – Umzug mit Familie ist schon ganz schön aufwändig. Wir sind jetzt übrigens „Steuerausländer“, weshalb die Sparer-Freibeträge für Bausparvertrag und Sparkonto nicht mehr greifen.Die Butter ist hier übrigens fast immer gesalzen, was ich sehr lecker finde. Im Foto sieht man die Marke „I can’t believe it’s not butter“. :-) Die Back-Butter ist blockweise eingepackt und mit Markierungen für alle möglichen Backmengen beschriftet.
Das Thema „Convenience in Amerika“ wurde auch in unserer Badezimmer-Lektüre von Bill Bryson, Notes on a big country thematisiert: Amerikaner lassen den Wagen laufen, wenn sie ins Geschäft gehen, lieben alle möglichen Elektrogeräte, wie Saftpressen, Messer, Eiswürfelmaschinen, etc. und fahren mit dem Auto zum Fitnesscenter. Viele Kleinigkeiten finde ich dennoch sehr angenehm, wie die ausklappbaren Ablagen für Geldbörse in öffentlichen Toiletten oder automatischen Türen an öffentlichen Gebäuden, die man mit dem Kinderwagen schätzen lernt. Oft findet man Hinweise, wie man den Mülleimer handhaben oder die Verpackung wiederverschließen kann – viele Dinge sind zwar eigentlich selbsterklärend, aber bei der großen Menge an Einwanderern ist diese Kultur verständlich und erleichtert die Eingliederung in die USA.
Nur durch die Warranty haben wir noch nicht durchgeblickt – beim Kauf von Elektrogeräten (z.B. 170 $-Receiver, 20 $-Kopfhörer) oder eines 35 $-Kinderwagens werden an der Kasse Garantieleistungen für 2 Jahre zu einem Zusatzpreis angeboten (z.B. 99 $ für den Receiver, 0.50 $ für den Kopfhörer, 20 $ für den Buggy). Was das dann bringt, weiß ich nicht. An der Kasse fragen die Verkäufer auch immer wieder gerne, ob man nicht noch die Schokolade oder Briefmarken oder einen Handy-Vertrag haben möchte.
Eine Käse-Kultur gibt es hier nicht wirklich, obwohl ich gerade mit Schrecken bei Wikipedia über die US-Führerschaft in der Käseproduktion gelesen habe. Ceddar-Käse ist populär, aber ich weiß ja aus England, das er dort in den Cheddar-Gorges magischerweise entstanden ist. Viele Käsesorten heißen „Jack“ – Colby-Jack, Monterey-Jack, etc. – „Sie nannten den Käse Jack“ – frei nach Pirates of the Carribean.
Am Samstag fahre ich mit den Kindern zum Marine Mammal Center nördlich der Golden Gate Bridge. Alles liegt im Nebel.
Ich hatte ganz vergessen, dass das Center eigentlich ein Krankenhaus für Meeressäugetiere ist. Fotos illustrieren (recht gemäßigt) Verletzungen und Operationen. Trotz der geringen Auslastung von 4 Seelöwen-Patienten ist Kira ziemlich betroffen. Abends will sie zuhause Krankenhaus nachspielen…
Das Marine Mammal Center ist in den 70ern von Hippies gegründet worden und finanziert sich rein über Spenden. Neben den 40 Veterinären gibt es 900 ehrenamtliche Helfer, die Tiere in Not von dem Großteil der kalifornischen Küste herbringen und aufpäppeln. Im Sommer sind viele Jungtiere von Seeottern oder Seehunden dort. Seeelefanten, Delfine und sogar Wale werden auch gerettet. Sehr beeindruckend! Wir sehen die Fischküche, in der Fisch-Öl-brei für die Jungtiere zubereitet wird, das Testlabor und die In den Autopsie-Raum gehe ich mit den Mäusen nicht ‘rein. Es ist auch ziemlich kalt und windig, so dass wir im Lincoln mit einem Chips-Snack (pure salted) weiterfahren.
Der Golden Gate Brückenzoll ist wieder eingerichtet und kostet 6 $. Auf der Richmond-Brücke habe ich schon 5 $ bezahlt. Ich will eigentlich in den Golden Gate Park, aber der ist so unglaublich zugeparkt, dass ich mich nicht zu parken traue und wir nur durchcruisen. In Emeryville gehen wir ins Best Buy und kaufen einen Sandwich-Maker, ein Disney Princess-Spiel für Kiras Leapster Explorer und einen Audio-Receiver. Zuhause hat Andor stundenlang aufgeräumt und wir halten den fragilen Zustand im Bild fest. Bei der Pizza-Zubereitung ist ein vergessenes Backpapier im Backofen verkokelt und so hat Andor die Wohnung nochmal schön durchgelüftet.
Abends holt Andor noch Ikea-Regale und baut das neue 5.1-Audio-System auf. Statt des ursprünglich anvisierten Rund-um-Sorglos-Fertigpakets fürs Home Theater mussten wir jetzt doch den Receiver nachkaufen, weil die Amazon-Beschreibung zu schwammig war und nur Boxen geliefert wurden. Unser Beamer funktioniert auch bald, wenn wir noch ein 15 ft Kabel geholt haben. Den haben wir ja mitgenommen, um unsere PAL-basierten DVD’s schauen und die PS2 nutzen zu können. Einfacher hat man es wirklich, wenn man alles hier neu nach US Standard kauft… Immerhin haben wir sogar einen coolen Oldie-Radiosender gefunden, der das 5.1-System unterstützt und aus verschiedenen Boxen verschiedene Instrumente spielt.
Das Rund-um-die-Uhr-shoppen wünscht man sich hier auch manchmal.So Sonntags wäre echt nicht schlecht.Mittlerweile seit Ihr ja wieder gut ausgestattet.Schade,dass Conny Euch nicht besuchen konnte,so liegt Euer Weihnachtsgeschenk immer noch hier.Aber Conny wird es dann im März mitbringen.Schnee ist zum Glück weg und es kehrt etwas Normalität im Strassenverkehr ein.
AntwortenLöschenhuhu, Gruß aus Aschebersch...
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